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Der Reader zur Vorbereitung auf das Treffen - Viel Spaß beim Stöbern und seid
alle präpariert in Barsinghausen! Bitte denkt daran, dass diese Texte nur Entwürfe
sind und weder die Meinung der AutorInnen und erst recht nicht die Meinung der
Arbeitsgruppe repräsentieren müssen. Ausserdem ist die Diskussion
auf unserer Mailingliste unter Umständen schon weiter fortgeschritten,
als es in diesen Entwürfen ersichtlich ist.
Einleitung: Was bedeutet »Wissensallmende und freier Informationsfluss«
und was ist unsere Vision?
Untergruppe Informationsgesellschaft
Untergruppe BioAgrarPharma
Urheberrecht
Urheberrecht: Alternative Freie Software
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Wider die Kommerzialisierung von Bildung, Wissen und Information
Die Verfasser der papiernen Lippenbekenntnisse aus der Politik schreiben sich
in der Regel in rauschhafte Ohnmacht angesichts des technologischen Wandels.
Nüchternheit ist hier eine seltene Tugend. Dabei geht es schnell in merkantile
Sphären, wenn beispielsweise von "Bildungsmärkten" die Rede
ist. Dabei gibt's bereits die erste Katerstimmung: Denn es ist festzuhalten,
dass beispielsweise Tele- und eLearning-Modelle nicht mehr finanziert werden,
da sie mittlerweile als gescheitert gelten.
Der Neoliberalismus hat sich auch hier als sozialfeindliche Kapitalverbrennungs-
und Verdummungsmaschinerie entpuppt. Dass also mit Werkzeugkompetenz und -kauf
allein kein gangbarer Weg in die Zukunft gestaltet werden kann, zeigt sich nicht
zuletzt an dem Abschneiden der Skandinavier in der PISA-Studie. Denn dort wird
menschliche Kompetenz auch durch ein dichteres Betreuungswesen gebildet, um
Bildungsinhalte in Wissen und Kompetenzen zu transformieren.
Wissen und seine Bildung bzw. Ausbildung kann sich nicht allein anhand von
Nützlichkeitskriterien gestalten und organisieren lassen. Das mag auf einer
ersten ebene neben populistischen Bedürfniskreationen den positiven Effekt
einer Wiederwahl produzieren. Zu einem konstruktiven Beitrag und einer möglichst
breitenwirksamen Verwirklichung einer zum Teilen und Mitteilen bereiten Gesellschaft
in einer Welt, deren soziales Gefälle nach wie vor zum Himmel schreit,
verhelfen weder Reglementierungen noch Kontingentierungen in allen Wissensbereichen.
Gerade die Popularisierung des Internet hat gezeigt, dass restriktive, intolerante
Handhabung von Ausfuhrgesetzen von kryptografischen Erzeugnissen keinerlei Wirkung
zeitigten. Das Verbot der USA, starke Schlüssel in Exportsoftware zu verbieten,
hat nie geklappt, wie das Beispiel der SSL-Implementierung in Netscape zeigte.
Daher fordert die Attac-AG Wissensallmende und Freier Informationsfluss ein
seriöseres Umgehen mit Wissen, mit den Institutionen, die traditionell
für die Bildung von Wissen und seine Vermittlung zuständig sind, und
vor allem auch mit privaten Initiativen hin zu einer stärkeren Position
des privaten Mediennutzers und zu einer ernsthafteren Umsetzung von Plänen
zu einer Wissensgesellschaft, die sich nicht in der bloßen Technikaffirmation
zur Stärkung der ohnehin schon kaum kontrollierbaren Global Player erschöpft.
Denn gerade Großunternehmen wie Bertelsmann bezeugen mit ihren Instituten
und Selbstbeschreibungen letztlich nur ihre Primärziele: die Gewinn- und
Kontrollmaximierung gegenüber dem Grundbedürfnis und den berechtigten
Interessen des Einzelnen an freier Informationsmöglichkeit.
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1. Grundsätzliche Forderungen
1.1. Freier Zugang zu lebensnotwendigem Wissen
Die Arbeitsgemeinschaft Wissensallmende und freier Informationsfluss
setzt sich für einen ungehinderten Zugang aller Menschen zu
lebenswichtigen Informationen ein. Darunter verstehen wir nicht nur den
Zugang zu modernem Saatgut und modernen landwirtschaftlichen Methoden,
sondern auch zu moderner medizinischer Versorgung und Schulbildung.
1.2. Keine Behinderung für Schule, Studium, Wissenschaft
Wir beharren darauf, daß Schutzrechtssysteme für biologische,
pharmazeutische und pflanzenzüchterische Leistungen Schule, Studium und
Wissenschaft nicht behindern dürfen.
1.3. Kein Geheimwissen - kein Patentschutz auf "Sprache"
Überhaupt ist zu gewährleisten, daß geheimes Wissen nicht geschützt
wird. Die nachvollziehbare Offenbarung einer Erfindung ist Voraussetzung
des Patentschutzes, dabei muss es bleiben. Wir lehnen die Ausweitung von
Patentschutz auf beschreibende Information (Sprache) ab - etwa auf
Gensequenzen.
2. Abgeleitete Forderungen
2.1. TRIPS-Abkommen
2.1.1. Ausstiegsoption
Wir fordern eine Ausstiegsoption aus einzelnen TRIPS-Aspekten für
industriell rückständige Länder. Eine nachholende Entwicklung
wird durch
die strengen Schutzrechtsysteme des TRIPS-Abkommens erschwert, die
tendenziell zu einer Umverteilung von Süden nach Norden führen.
2.1.2. Übergangsfristen und Ausnahmen
Weiter setzen wir uns für längere und umfassende Übergangsfristen
und
einfachere und verbindliche Ausnahmevorschriften für bestimmte Länder
ein. Die im Rahmen des TRIPS-Abkommens geschaffene Möglichkeit für
ärmste Länder, Generika patentierter Medikamente einzuführen,
geht nicht
weit genug. Der Zugang kranker Menschen zu wirksamen Medikamenten ist
sicherzustellen, das TRIPS-Abkommen darf das nicht verhindern.
2.1.3. Kein Patent auf Leben
Das TRIPS-Abkommen muss so geändert bzw. ausgelegt werden, das es seine
Mitglieder nicht zwingt, Patente auf Mikroorganismen und Pflanzen zu
erteilen. Damit würde sonst der Biopiraterie Vorschub geleistet. Wir
halten das Patentieren von traditionellen Wissen für Biopiraterie und
sind der Meinung, daß dieses traditionelle Wissen gemeinsames Erbe aller
Menschen ist und bleiben muss.
2.1.4. Keine juristischen Hürden für traditionelle Landwirtschaft
Die sui-generis-Klausel des TRIPS-Abkommens ist so auszulegen, daß auch
ein nationales Schutzsystem analog UPOV-78(Züchtervorbehalt,
Landwirteprivileg) nach TRIPS zulässig ist. Aus dem TRIPS-Abkommen
dürfen keine juristischen Hürden für die traditionelle Landwirtschaft
in
den Ländern des Südens aufgebaut werden. Saattausch und Nachbau müssen
legal bleiben.
2.2. Biopatente
2.2.1. Kein Patentschutz auf Gensequenzen
Die Arbeitsgemeinschaft Wissensallmende und freier Informationsfluss
spricht sich gegen Biopatente aus. Unter Biopatenten verstehen wir auch
Patente auf Gensequenzen, wie die EU-Biopatentrichtlinie sie vorsieht.
Danach soll demjenigen das recht auf die ganze Gensequenz gebühren, der
nur eine Funktion dieses Gens technisch anwenden kann. Nach unserer
Meinung sind aber nur die technischen Anwendungen patentierbar (mögen
sie auch mit der Nutzung von Gensequenzen verbunden sein). Gensequenzen
ähneln Software oder Sprachen, sie enthalten nur Baupläne, bauen aber
nicht. Darüberhinaus beharren wir auf dem Neuheitserfordernis für
Patente. Jahrtausendealte Kulturpflanzen dürfen nicht patentiert werden,
nur weil man eine entsprechende Gensequenz entdeckt hat.
2.2.2. Züchterprivileg erhalten
Wir fordern die Beibehaltung der Züchterprivilegien. Patente auf
Gensequenzen in Saatgut gefährden diese Privilegien. Pflanzen kann man
aber bisher nur kreuzen, nicht am Reißbrett entwerfen. Deshalb müssen
Züchter auch in Zukunft Pflanzen kreuzen dürfen, unabhängig von
Patenten.
2.2.3. Ethische Prinzipien beachten
Patenten auf menschliche Gensequenzen begegnen wir mit Skepsis. Patente
auf ethisch verwerfliche Techniken, wie etwa das Klonen, darf es nicht
geben. Wir haben weitergehend generelle Bedenken, wenn mithilfe des
Patentwesens Wirtschaftsmonopole für eine gefährliche, noch nicht
überschaubare Technik bereitgestellt werden.
2.3. Verhältnis ZüchterInnen und LandwirtInnen
Wir akzeptieren Sortenschutzsysteme für Saatgut. Das Verhältnis zwischen
Pflanzenzucht und -anbau darf aber nicht einseitig zugunsten der
Züchter gestört werden. Nachbaugebühren, wenn aus eigener Ernte
von
gekauftem Saatgut neu ausgesät wird, lehnen wir daher ab.
Die Entwicklung von Terminatorgenen sehen wir mit Sorge. Wir sprechen
uns selbstverständlich dagegen aus, solche Pflanzen zu verbreiten.
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1. Kein DRM
DRM (Digital Rights Management) in seinen unterschiedlichen Ausprägungen
wie TCPA, TPM, Palladium, NGSCB etc. führt in letzter Konsequenz zu einer
Totalüberwachung der KonsumentInnen, einer künstlichen Verknappung
von Kulturgütern, einer Zementierung der Macht der großen Unterhaltungskonzerne
und zu einem Verschwinden von oppositionellen Inhalten aus dem Internet. Deshalb
fordern wir: " Aufhebung des gesetzlichen Verbots der Umgehung technischer
Schutzmechanismen " Keine staatliche Förderung von DRM-Technologien
" Verbot des Einsatzes von DRM-Technologien, wenn sie den Datenschutz aushebeln.
2. Keine weitere Verschärfung des Urheberrechts
Gegenwärtig sind Bestrebungen im Gange, das Urheberrecht weiter zu verschärfen.
Die Privatkopie soll vollständig abgeschafft und das unautorisierte Kopieren
digitaler Inhalte zu einem schweren Verbrechen erklärt werden. Die Inhaber
der Urheberrechte sollen ein Auskunftsrecht gegenüber den ISPs bekommen,
um User von P2P-Netzwerken mit existenzvernichtenden Zivilklagen überziehen
zu können. Wir lehnen weitere Verschärfungen des Urheberrechts entschieden
ab. Sie würden große Teile der Bevölkerung kriminalisieren und
zu einem weiteren Abbau der Grundrechte führen.
3. Pauschalgebühren
Um die KünstlerInnen im digitalen Zeitalter angemessen entschädigen
zu können, sollten
Modelle gefunden werden, die ihnen einerseits Einkommensicherheit gewähren,
aber
andererseits ohne die flächendeckende Überwachung der User auskommen.
Eine Möglichkeit wären Pauschalgebühren z.B. auf Internetzugänge
und Computerhardware, die
vergleichbar zu den GEMA-Gebühren in angemessener Höhe erhoben werden.
Im Gegenzug
müssten digitale Privatkopien und der Austausch von Inhalten über
P2P-Netzwerke zum
Privatgebrauch ausdrücklich erlaubt werden, solange damit keine Gewinne
erzielt werden sollen.
Die Pauschalgebühren sollen an die KünstlerInnen nach einem gerechten
System ausgeschüttet
werden, um Einnahmeausfälle aus dem herkömmlichen Verkauf von
Werkstücken auszugleichen, die durch digitale Privatkopien und P2P-Netzwerke
entstehen. Das
Urheberrecht muss entsprechend eingeschränkt werden.
4. Kürzere Schutzfristen
Die Schutzfristen des Urheberrechts enden erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors
und sind damit unverhältnismäßig lang. Diese lange Periode kann
nicht mehr damit begründet werden, die Erschaffung neuer Werke anzuregen,
denn Tote dürften hierzu nicht mehr in der Lage sein. Die Schutzfristen
des Urheberrechts müssen im Interesse der Allgemeinheit deutlich verkürzt
werden.
5. Förderung alternativer Veröffentlichungsmodelle
Staatlich geförderte Forschungsergebnisse sollten der Allgemeinheit grundsätzlich
kostenlos zur Verfügung stehen.
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== Freie Software als Chance der Informationsgesellschaft ==
== Die Notwendigkeit freier Software, ==
wird eindeutig, wenn man sich klar macht, dass die
Informationsgesellschaft umfassend von Software durchdrungen sein wird.
Mit dem Internet, der Unterhaltungselektronik und Softwareeinsatz bei
der Arbeit (in Firmen) hat dieser Prozess heute begonnen. Morgen wird
unsere ganze Umwelt durch Software gebildet, zumindest doch Überwacht.''
Um in dieser Welt ein freier/aufklärbarer Bürger sein zu können,
müssen
Informationen über den Aufbau der (Software-)Welt frei verfügbar sein.''
Dazu müssen folgende Bedingungen erfüllt sein/werden.
=== Vertrauenswürdige Software ===
entsteht grundsätzlich eher, wenn jeder sich über die korrekte
Funktionsweise der Software unabhängig informieren kann. Um dies zu
ermöglichen, muss die Software-Entwicklung offen (also öffentlich)
geschehen und abgeschlossen werden. Dazu muss der Quellcode von Software
frei verfügbar und modifizierbar sein. ''Auf gesellschaftlicher Ebene
wird mit einer solchen Struktur der Gedanke von Solidarität und
freundschaftichem Teilen gefördert.''
=== Offene Standarts ===
ermöglichen die von Einzelnen unabhängige Verfügbarkeit von
Kulturgütern
in Ton, Bild und Schrift. Geschlossene "Standarts" gehören Firmen,
die
damit de facto auch über Wohl und Wehe der Kulturgüter und deren
Verteilung bestimmen. Mit ''Standarts'' sind hier Formen der
Datenspeicherung und Datenübertragung gemeint. ''Für die Gesellschaft
sind offene Standarts notwendig, um freies kulturelles Leben sowie
offene Bildung und Forschung zu ermöglichen.''
== Freie Software braucht Unterstützung ==
in Form von finanzieller und wortgewaltiger Förderung. So fordern wir
als Kunden und Bürger von Staat und Wirtschaft ''bei dieser fruchtbaren
Umstrukturierung überzeugt mitzuwirken'' und insbesondere auf die
folgenden Vorschläge einzugehen.
=== Neue Lohnmodelle ===
müssen, vor allem für eine umfassende Einführung von freier
Software mit
mehr Beschäftigten, eingeführt werden. Heutzutage kommt den meisten
Programmierer von freier Software kaum eine oder nur eine höchst
unsicheren Bezahlung zu gute. Firmen, Staaten, aber auch Privatpersonen
sind in die Pflicht genommen Entwickler von freier Software angemessen
finanziell zu unterstützen. Spenden und der Betrieb von
Entwicklungslaboren und offenen Entwicklungsplattformen für freie
Software sind hier Maßnahmen.
=== Eine Umstrukturierung der Wirtschaft ===
muss auf der Devise aufbauen: Weg von der künstlichen Verknappung von
Software und hin zu wirklich wertschöpfenden Dingen wie Dienstleistungen
(Support), Bereitstellung von Inhalten und Maschienen, die durch
Software erst laufen. Anstatt wie bisher Geld mit dem Verkauf von
Software verdienen zu wollen, müssen Firmen endlich umfassend
alternative Wirtschaftsmodelle akzeptieren, welche ökonomischer sind und
für die Firmen einen Machtverlust zugunsten der Gesellschaft bedeuten.
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