Rede unseres Mitstreiters Robert Leisner zur Demo am 12.05.2004 in Berlin
vor dem Bundesjustizministerium
Liebe DemonstrantInnen und Demonstranten, liebe FreundInnen und Freunde!
Mein Name ist Robert Leisner, ich spreche hier für die Attac-AG "Wissensallmende
und freier Informationsfluss".
Was hat Attac mit Softwarepatenten zu tun? Wir sind gegen Softwarepatente,
gegen Patente auf Algorithmen und gegen Patente auf Geschäftsideen.
Die Patentlobby versucht, das Konzept der Softwarepatente aus den USA
nach Europa zu exportieren. Und das ist nur ein Mosaikstein zur immer weiteren
Verschärfung geistiger Monopolrechte in der ganzen Welt.
Die Musikindustrie forciert das Urheberrecht und macht ein Nutzerstrafrecht
daraus. Die Digitalisierung sieht sie nicht als Chance, sondern als Einbruch
in altabgesteckte Claims.
Die Pharmaindustrie will ihre Medikamentenpatente weltweit durchsetzen.
Dass ihre Patentlizenzen in der Dritten Welt unbezahlbar sind, schert sie nicht.
Die gentechnische Industrie will Biopatente einführen - Gerade ist
im Bundestag ein Gesetz eingebracht worden, nach dem Patente auf Leben möglich
sind. Im Süden sind Patent-Scouts unterwegs, um traditionelles Wissen zu
stehlen. Daraus werden dann im Norden Biopatente gemacht, für die der Süden
zahlen muss.
Die Saatgutindustrie schließlich will traditionelle Saattauschverfahren
im Süden ersetzen durch Lizenzverkäufe ihrer patentierten Hochleistungssorten.
Dabei helfen ihr internationale Verträge zum Geistigen Eigentum.
Hinter all diesen Beispielen steckt System. Die Konzerne des Nordens bereiten
sich auf die Wissensgesellschaft vor. Sie wollen eine Welt, in der Wissen nicht
geteilt wird, sondern immer und überall bezahlt werden muss.
Wir von der Attac-AG Wissensallmende wollen, dass Wissen geteilt wird. Freundschaftliches
Teilen von Wissen bringt nämlich für alle Menschen mehr. Freie Software
ist das beste Beispiel. Aber auch freie Texte, freie Musik und der traditionelle
Saattausch sind Beispiele, dass es anders geht.
Softwarepatente behindern Freie Software. Sie behindern Softwareentwickler,
die sich keine Patentanwälte leisten können. Und sie behindern kleine
Unternehmen, die Software schreiben wollen und keine Patentschriften.
Attac ist nicht gegen geistiges Eigentum. Natürlich soll der Urheber,
der Softwareentwickler, der Erfinder gerecht entlohnt werden für seine
geistigen Schöpfungen.
Doch bei Softwarepatenten geht es nicht um die Schöpfer, sondern um die
Verwerter, die großen Konzerne. Die bauen sich ein Patent-Portfolio auf
und schotten damit den Markt ab. Und alle zahlen drauf. Das kann nicht sein.
Der aktuelle Ratsentwurf, der Softwarepatente durch die Hintertür legalisieren
will, darf nicht durchgehen. Wofür den sonst hat das Europäische Parlament,
wofür haben unsere gewählten Abgeordneten in Brüssel die unbegrenzte
Patentierbarkeit aus der Richtlinie gestrichen?
Doch nicht dafür, damit unser berechtigtes Anliegen jetzt, ein halbes Jahr
später, wieder vom Tisch gefegt wird. So lassen wir uns nicht abspeisen.
In Juni sind Europawahlen. Politiker, die gewählt werden wollen, müssen
uns Rede und Antwort stehen: Wie halten sie es mit den Softwarepatenten? Deshalb
rufe ich Euch auf: Fragt die KandidatInnen in Euren Wahlkreisen! Wir werden
das auch tun. Mehr dazu könnt ihr auf unserer Internetseite www.attac.de/wissensallmende
lesen.
Lasst uns gemeinsam weiterkämpfen und wir werden Erfolg haben. Bis dahin
ist es sicher noch ein langer Weg. Aber wir sind schon weit gekommen und gemeinsam
werden wir auch den Rest des Weges schaffen. Vielen Dank!
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