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3. Aufstieg und Fall des freien Internet

Peer-to-Peer

Peer-to-Peer (P2P) bedeutet Gleicher zu Gleichem und beschreibt eine neue Nutzungsform des Internets, bei der Inhalte direkt zwischen den Computern der UserInnen ausgetauscht werden. Das bekannteste P2P-Netzwerk war Napster (1999 bis 2001). Die P2P-Technologie wurde zunächst entwickelt, um MP3-Musikdateien effektiv über das Internet austauschen zu können, aber die Möglichkeiten dieser Technologie gehen weit darüber hinaus. Durch Napster und andere P2P-Programme wurde der Tausch von Inhalten wie Musikstücken, Filmen und Software zum Massenphänomen. Tabelle 3 gibt die Entwick-lung wieder. Gemessen werden unique User, also alle UserInnen, die pro Monat mindestens einmal ein P2P-Netzwerk genutzt haben. Nach Messungen der Firma Cache Logic machten P2P-Anwendungen im Jahr 2004 zeitweise mehr als 80% allen Netzwerkverkehrs aus.

Tabelle 3: Unique P2P-User weltweit (Zahl für 2004: Schätzung(2))
Datum P2P-UserInnen in Mio.
Februar 2000 1,5
Februar 2001 26,0
März 2002 43,4
Februar 2003 81,18
September 2004 (>90,0)

P2P-Netzwerke haben im Vergleich zu den herkömmlichen Distributionsmechanismen der Massenmedien Vorteile:

  1. Größere kulturelle Vielfalt: Bereits zu Zeiten von Napster war in diesem Netzwerk nahezu alle jemals aufgenommene Musik verfügbar. Also nicht nur die aktuellen Hits, sondern auch Musik, die längst nicht mehr kommerziell angeboten wird, oder Musik aus anderen Erdteilen, die im Westen gar nicht verkauft wird (z.B. aus Lateinamerika, Japan, China oder Korea). Ein bedeutender Anteil der bei Napster verfügbaren Musikstücke (zwischen 10 und 20%) war niemals kommerziell vermarktet worden und ihre Distribution war damit legal. Daneben nahm auch die Anzahl der Remixe zu.
  2. Geringere Distributionskosten: Vermutlich könnten P2P-Netzwerke im Falle ihrer Legalisierung die Distribution von Inhalten größtenteils übernehmen und das zu weit geringeren Kosten. Denn der schwerfällige und komplizierte analoge Distributionsapparat macht bei einer CD 61% der Kosten aus (Hansen 2004). Diese könnten im Fall der Distribution über P2P-Netzwerke wegfallen. Es müssen jedoch Möglichkeiten gefunden werden, wie die Kreativen und teilweise auch die Labels bzw. Studios für ihre Tätigkeit entschädigt werden können. Diese Entschädigung muss aber nicht unbedingt dem herkömmlichen Modell des Werkstückverkaufs entsprechen, sondern kann auch in Form einer Kulturflatrate erfolgen.
  3. Rückgang der Medienkonzentration: Distribution von Inhalten über P2P-Netzwerke würde auch zu größerer Vielfalt im gegenwärtig oligopolistisch abgeschotteten Markt der Unterhaltungsindustrie führen, denn die ökonomischen Ursachen der massiven Konzentration insbesondere im Bereich der Musik liegen in den hohen Fixkosten des analogen Vertriebs (CD-Presswerke, Lagerhallen, Vertriebsorganisation mit Ablegern in vielen Städten), denen unsichere und stark schwankende Erträge aus dem Tonträgerverkauf gegenüberstehen (Kulle 1998: 148ff.). Werbung und gegebenenfalls Vorfinanzierung von MusikerInnen können auch kleinere Labels unternehmen, wenn sie durch eine Kulturflatrate Einnahmen aus der Internetdistribution erwarten können. Daneben könnten auch ISPs, P2P-Netzwerkbetreiber und andere Firmen in den Markt einsteigen. Auch hätten MusikerInnen größere Möglichkeiten, sich online direkt an ihr Publikum zu wenden.
  4. Zukunft des Fernsehens: Die P2P-Technologie könnte auch das Fernsehen verändern. Wenn die Bandbreite des Internet weiterhin zunimmt, wird es früher oder später technisch möglich sein, die produzierten Sendungen online bereitzustellen und sie mittels P2P-Netzwerken in sehr kurzer Zeit an alle interessierten Haushalte zu verteilen. Dies hätte den Vorteil, dass die ZuschauerInnen nicht mehr an ein starres Sendeschema gebunden wären, sondern sich ihre Inhalte nach Belieben zusammenstellen können (Thompson 2005).

(2) Basierend auf Daten von Jupiter Media Metrix, Digital Intelligence Centre und eigenen Berechnungen.

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Aktualisiert am 31.05.2008 von tian und anderen - Impressum