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3. Aufstieg und Fall des freien Internet

»Rip, Mix, Burn«

Die Digitalisierung ermöglicht völlig neue Anwendungen der Medien und erhöht auch die Möglichkeit für Privatpersonen, selbst kreativ tätig zu werden:

  1. Rekombination des bestehenden Materials: Musik wird bereits seit der Markteinführung der CD 1982 digital gespeichert. Mit der Entwicklung von Kompressionstechnologien wie MP3 ab 1995 ist es problemlos möglich, den gesamten Musikbestand einer Person von u.U. mehreren 1000 Titeln komprimiert auf der Festplatte eines Computers zu speichern. Dies erlaubt es, die eigene Musiksammlung nach beliebigen Kriterien zusammenzustellen. Musikdateien z.B. im MP3-Format können auf mobilen Abspielgeräten gespeichert oder auf einer Stereoanlage gehört werden.
  2. Bearbeitung von bestehendem Material: Moderne Software macht es sehr einfach, in digitalen Formaten vorliegende Inhalte zu bearbeiten und damit neue Werke zu schaffen. Solche Mixe von Musikstücken sind nach geltendem Recht illegal, obwohl sie eine kreative Eigenleistung enthalten.
  3. Erschaffung von neuen Inhalten: Es ist auch viel einfacher geworden, selbst Filme zu drehen oder Musik zu komponieren. Ein Camcorder ist bereits ab 500 € zu haben. Der Schnitt des Materials kann von einem handelsüblichen PC erledigt werden. Diese Entwicklung ermöglicht es viel mehr Menschen als bisher, selbst Filme zu drehen. Einige dieser mit geringen Mitteln gedrehten Filme hatten sogar im herkömmlichen Kino eine Chance oder wurden zumindest als DVD veröffentlicht (s. Tabelle 2).
Tabelle 2: Mit Digitalkameras produzierte Low-Budget-Filme
Das Fest (DK 1998)
Familiendrama nach dem Standard Dogma 95
Blair Witch Project (USA 1999) Horrorfilm
Lovers (FR 1999) Liebesdrama nach Dogma 95
Nabi (KOR 2001) Science Fiction Film um ein »Oblivion-Virus«
28 Days Later (GB 2002) Science Fiction/Horror Film
CH7 (CH 2003) Krimikomödie, unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht


Die bisherige strikte Trennung zwischen MedienproduzentInnen und passiven MedienkonsumentInnen könnte also aufgebrochen werden, und viel mehr Menschen könnten kreativ tätig werden. Das muss aber gelernt werden. Ein erster Schritt wäre es, mit bestehenden Inhalten zu experimentieren und sie zu verändern. Nach dem heutigen Urheberrecht ist das aber meistens verboten, und fast alle der in 1. und 2. genannten Nutzungsformen sind illegal, wobei die Strafen empfindlich hoch sind. Eine solche Atmosphäre der Angst erstickt die künstlerische Kreativität gerade in dem Augenblick, wo sie ein Massenphänomen werden könnte (Lessig 2004: 170, 185). Die technisch immer weniger notwendige Trennung zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen wird stattdessen durch Gesetze künstlich aufrecht erhalten.

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Aktualisiert am 31.05.2008 von tian und anderen - Impressum