Die Digitalisierung ermöglicht völlig neue Anwendungen der Medien
und erhöht auch die Möglichkeit für Privatpersonen, selbst kreativ
tätig zu werden:
Rekombination des bestehenden Materials: Musik wird bereits seit der Markteinführung
der CD 1982 digital gespeichert. Mit der Entwicklung von Kompressionstechnologien
wie MP3 ab 1995 ist es problemlos möglich, den gesamten Musikbestand
einer Person von u.U. mehreren 1000 Titeln komprimiert auf der Festplatte
eines Computers zu speichern. Dies erlaubt es, die eigene Musiksammlung nach
beliebigen Kriterien zusammenzustellen. Musikdateien z.B. im MP3-Format können
auf mobilen Abspielgeräten gespeichert oder auf einer Stereoanlage gehört
werden.
Bearbeitung von bestehendem Material: Moderne Software macht es sehr
einfach, in digitalen Formaten vorliegende Inhalte zu bearbeiten und
damit neue Werke zu schaffen. Solche Mixe von Musikstücken sind nach
geltendem Recht illegal, obwohl sie eine kreative Eigenleistung enthalten.
Erschaffung von neuen Inhalten: Es ist auch viel einfacher geworden,
selbst Filme zu drehen oder Musik zu komponieren. Ein Camcorder ist bereits
ab 500 € zu
haben. Der Schnitt des Materials kann von einem handelsüblichen PC erledigt
werden. Diese Entwicklung ermöglicht es viel mehr Menschen als bisher, selbst
Filme zu drehen. Einige dieser mit geringen Mitteln gedrehten Filme hatten sogar
im herkömmlichen Kino eine Chance oder wurden zumindest als DVD veröffentlicht
(s. Tabelle 2).
Tabelle 2: Mit Digitalkameras produzierte Low-Budget-Filme
Krimikomödie, unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht
Die bisherige strikte Trennung zwischen MedienproduzentInnen und passiven
MedienkonsumentInnen könnte also aufgebrochen werden, und viel mehr
Menschen könnten kreativ
tätig werden. Das muss aber gelernt werden. Ein erster Schritt wäre
es, mit bestehenden Inhalten zu experimentieren und sie zu verändern. Nach
dem heutigen Urheberrecht ist das aber meistens verboten, und fast alle der in
1. und 2. genannten Nutzungsformen sind illegal, wobei die Strafen empfindlich
hoch sind. Eine solche Atmosphäre der Angst erstickt
die künstlerische Kreativität gerade in dem Augenblick, wo sie ein
Massenphänomen werden könnte (Lessig
2004: 170, 185). Die technisch
immer weniger notwendige Trennung zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen
wird stattdessen durch Gesetze künstlich aufrecht erhalten.