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3. Aufstieg und Fall des freien Internet

3. Aufstieg und Fall des freien Internet

Um verstehen zu können, worin sich das Internet von den traditionellen Medien unterscheidet, und warum es zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen kann, soll im Folgenden als Kontrast dazu zunächst die Struktur und der Zustand der traditionellen Massenmedien dargestellt werden.

Die traditionellen Massenmedien

Am Beginn des 21. Jahrhunderts können die traditionellen Massenmedien wie Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen und Zeitschriften ihre Kritik- und Kontrollfunktion im politischen System nicht oder nur noch unvollkommen erfüllen. Sie zeichnen sich statt dessen durch eine extreme Kommerzialisierung ihrer Inhalte aus, während die kritische Berichterstattung immer mehr zurückgeht.
Eine wichtige Ursache hierfür ist die extreme Konzentration im Bereich der Unterhaltungsindustrie: In den 1980er und 1990er Jahren bildeten sich durch Fusionen und Übernahmen gigantische Unterhaltungskonzerne heraus. Jeder dieser Großkonzerne besitzt in unterschiedlichen Kombinationen Filmstudios, Fernsehstudios, Fernseh- und Hörfunksender, Musiklabels, Zeitschriften-, Zeitungs- und Buchverlage sowie andere Firmen (McChesney 1999: 19). Inzwischen existieren nur noch weniger als zehn dieser gigantischen Medienkonzerne: Time Warner, Disney, Viacom, General Electric, die News Corp. von Rupert Murdoch, Sony, Bertelsmann, Vivendi Universal und AT&T. Diese Firmen erreichen Konzernumsätze, die zwischen 15 und 100 Mrd. US-$ pro Jahr liegen, und sie kontrollieren zusammen mit 50 bis 60 etwas kleineren Medienfirmen einen bedeutenden Anteil der Weltkultur (McChesney 1999: 90).
Diese extreme Besitzkonzentration bleibt nicht ohne Folgen für die Inhalte. Diese zeigen sich v.a. auf folgenden Gebieten:
Hyperkommerzialismus: Die großen Unterhaltungskonzernen sind aufgrund des Drucks ihrer Shareholder gezwungen, um jeden Preis hohe Gewinne zu machen oder Kurssteigerungen zu erzielen. Dies führt dazu, dass alle Produktionen ausschließlich daraufhin überprüft werden, ob sie diese hohen Gewinne erwarten lassen. Damit sinkt die Bereitschaft zu künstlerischen Experimenten rapide: Die Film- und die Musikindustrie setzen verstärkt auf die Fortsetzung bekannter und erfolgreicher Muster (McChesney 1999: 35f.).
Mit dem Streben nach Maximalprofit eng verbunden ist eine Kompromittierung des Journalismus: Ein starker, vertrauens- und glaubwürdiger Journalismus galt lange Zeit als eine wichtige Funktion der Medien, die ihnen viele Privilegien einbrachten. Aber seit den 1990er Jahren sind die journalistischen Standards deutlich zurückgegangen. Diese versuchen jetzt, journalistische Abteilungen, z.B. in den großen TV-Sendern, unmittelbar profitabel zu machen. Dies geschieht einerseits durch massiven Personalabbau, andererseits findet eine Konzentration auf Stories statt, über die billig und einfach zu berichten ist, wie z.B. Prominente, Lebensstil, Gerichtsverhandlungen, Unfälle, Verbrechen und Schießereien. Kritische Berichterstattung dagegen geht stark zurück.
Entpolitisierung der Bevölkerung: Das globale Mediensystem fördert kommerzielle Werte und stellt i.d.R. die Konsumgesellschaft, den Markt und soziale Ungleichheit als positiv oder alternativlos dar. Es verurteilt oder ignoriert dagegen meistens alles, was nicht in dieses Raster passt: Soziale Bewegungen, kritische, eigenständige Aktivitäten der Menschen, Regierungen, die sich nicht vollständig den Weltmärkten unterwerfen (McChesney 1999: 100).
Es geht den Medienkonzernen weniger darum, Zustimmung für bestimmte Regierungen zu organisieren, sondern ihre Berichterstattung stärkt die Vorstellung, dass Politik an sich unwichtig ist und dass es wenig Hoffnung auf einen grundsätzlichen Wechsel gibt.
Es gibt aber auch grundsätzliche Probleme der traditionellen Massenmedien. Sie funktionieren nach dem Kommunikationsschema One-to-Many. Es gibt nur sehr wenige Sender und viele Empfänger. Die meisten Menschen sind durch dieses Modell auf den Status von passiven ZuschauerInnen bzw. ZuhörerInnen reduziert.

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