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2. Lizenz auf Leben

2. Lizenz auf Leben

Die wirtschaftliche Ausbeutung von Naturressourcen ist nichts Neues und doch erreicht sie mit Hilfe der modernen Biotechnologie eine neue Qualität. Nachdem das Land, die Wälder, die Flüsse, die Ozeane und die Atmosphäre ausgelaugt und verschmutzt worden sind, suchen Unternehmen gegenwärtig verzweifelt nach neuen Anlagemöglichkeiten und finden diese in den noch nicht kapitalisierten Bereichen der Natur - den »Innenräumen« von Menschen, Pflanzen und Tieren (Shiva 2002: 15). Diese Entwicklung wird ermöglicht durch Fortschritte der modernen Biotechnologie, die eine Entschlüsselung der genetischen Informationen von Pflanzen, Tieren und Menschen gestatten. Bereits heute befindet sich ein wichtiger Teil der entschlüsselten Gensequenzen in der Hand von wenigen transnationalen Konzernen (TNCs) wie bspw. Monsanto, Syngenta oder Du Pont. Patent- und Sortenschutzrechte sprechen ihnen über lange Zeiträume das alleinige Herstellungs- und Nutzungsrecht zu. Einmal identifiziert, werden die Gensequenzen isoliert, patentiert und so monopolisiert. Juristisch gelten sie damit als Erfindung. Sie werden als »geistiges Eigentum« desjenigen betrachtet, der ihre Funktion als erster beschrieben, eine technische Anwendung zur Isolierung entwickelt und eine wirtschaftliche Anwendung gefunden hat. Patentiert werden mikroskopisch kleine Strukturen - die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sind oftmals gigantisch.

Die biotechnologische Revolution

Die moderne Biotechnologie ermöglicht die Herstellung von neuen Produkten, die in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft Anwendung finden können. Mit der Entstehung der Biotechnologie sowie der Möglichkeit, das Genom zahlreicher Organismen zu entschlüsseln, verlagert sich auch die Basis der chemischen Industrie von der Verarbeitung von fossilen Brennstoffen, Metallen und Mineralien hin zu den »Rohstoffen« des biotechnischen Jahrhunderts: den Genen (Rifkin 2000: 87). Viele der größten petrochemischen Konzerne konzentrieren sich mittlerweile auf den Bereich der Genforschung und ihrer Anwendung. Sie trennen sich immer mehr von rein chemischen Betrieben und Verfahren. In absehbarer Zukunft wird die Produktion chemisch hergestellter Produkte ökonomisch gegenüber der Produktion gentechnisch produzierter Güter in den Hintergrund treten (Rifkin 2000: 88).

Tabelle 1: Die Umsätze der fünf größten Unternehmen der Agro- Chemie-, Saatgut- und Pharmaindustrie in 2002 (ETC-Group 2003)

Agrochemie-
Unternehmen

Umsatz in Mio. US-$ Saatgut-
Unternehmen
Umsatz in Mio. US-$ Pharma-
Unternehmen
Umsatz in Mio. US-$
Syngeta
5.260
Dupont
2.000
Pfizer/Pharmacia
42.281
Bayer
3.775
Monsanto
1.600
Glaxo Smith Kline
26.979
Monsanto
3.088
Syngenta
937
Merck & Co.
21.631
BASF
2.787
Seminis
453
Astra Zeneca
17.841
DOW
2.717
Adventa
435
Johnson & Johnson
17.151

Zur Life-Science-Industrie gehören Unternehmen aus den Bereichen Agrochemie, Pharma, Nahrungsmittelproduktion und der Saatgut- und Züchtungsbranche. Viele der heute führenden Life-Science-Unternehmen entstanden in den 1990er Jahren durch Übernahmen und Fusionen. So wurde Monsanto, das ursprünglich aus der Agrochemie-Branche kam, zur weltweit zweitgrößten Saatgutfirma. Durch die Bewegung auf dem Biotechnologie-Markt entstanden so regelrechte »Gengiganten«, die weite Teile des Marktes beherrschen. Alleine Monsanto hatte 2003 einen Anteil am weltweiten Markt für Mais von 36% und für Soja von 29% (ETC Group 2003). Die drei führenden Konzerne in den Branchen Agrochemie (Syngenta), Saatgut (Dupont) und Pharma (Pfizer/Pharmacia) setzten im Jahre 2002 fast 50 Mrd. US-$ um (siehe Tabelle 1).

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