Aufgaben der sozialen Bewegungen
Unsere Vorschläge werden sich nur durchsetzen lassen, wenn sich eine
starke soziale Bewegung dafür einsetzt und es gelingt, der Öffentlichkeit
den Wert der Wissensallmende und die Gefahren und Probleme des heutigen Stands
der geistigen Monopolrechte bewusst zu machen. Eine solche Bewegung steht
heute noch ganz am Anfang. Allerdings gibt es einige Initiativen, die zu bestimmten
Teilgebieten der Wissensallmendeproblematik arbeiten. Diesen Initiativen fehlt
noch weitgehend die Erkenntnis, dass alle diese Probleme gemeinsame Ursachen
haben. Auch andere soziale Bewegungen und NGOs könnten durch ihr Beispiel
Widerstand gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Kultur leisten, u.a.
indem sie ihre Inhalte soweit wie möglich unter einer freien Lizenz wie
Creative Commons veröffentlichen und sie im Internet kostenlos zugänglich
machen.
Im Attac-Bundesbüro wird soweit wie möglich freie Software eingesetzt.
2004 und 2005 hat Attac durch kr2 media data ein Programm zur Mitglieder- und
Spendenverwaltung entwickeln lassen (MOVE), das unter einer freien Softwarelizenz veröffentlicht wird und so auch anderen Organisationen und sozialen
Bewegungen zur Verfügung steht.
Fazit
Wenn diese Vorschläge umgesetzt werden, profitieren sowohl die KonsumentInnen
als auch die ProduzentInnen von Wissen, Informationen und Unterhaltung. Die
KonsumentInnen, weil die Kosten für den Zugang zu Inhalten sinken werden
und mehr Inhalte verfügbar sind. Diese Inhalte wären zudem vielfältiger
und nicht ausschließlich auf Profit ausgerichtet, wie dies heute z.B. bei
vielen Filmen, Musikstücken und Büchern, aber auch bei der Forschung
in anderen Bereichen wie z.B. Medikamente und Saatgut der Fall ist.
Die ProduzentInnen, weil bei einem Rückgang der Bedeutung der Unterhaltungsindustrie
als vermittelnder Instanz möglicherweise auch mehr KünstlerInnen
von ihrem Schaffen leben können. Durch diese Entwicklung könnte auch
die zunehmende Kommerzialisierung in anderen Bereichen der Gesellschaft zurückgedrängt
werden. Während
die Unterhaltungsindustrie durch ihre Inhalte die Akzeptanz neoliberaler Werte
fördert, könnte eine solche alternative Regelung im Bereich der Kultur
auch ein Beispiel für andere Bereiche der Gesellschaft darstellen.
Was auf dem Spiel steht, fasste John Gilmore von der amerikanischen EFF in
seinem Essay »Was falsch ist am Kopierschutz« zusammen:
»Es ist falsch, dass wir zwar Technologien erfunden haben, mit denen wir
Mangel abschaffen können, dass wir sie aber freiwillig zugunsten der Leute
in den Wind schießen, die vom Mangel profitieren. Wir haben jetzt die
Möglichkeit, beliebige Informationen, die kompakt auf digitalen Medien
untergebracht werden können, zu duplizieren. Wir können sie weltweit
vervielfältigen und Milliarden von Menschen zur Verfügung stellen -
zu sehr niedrigem Preis und für alle erschwinglich.« (Gilmore
2001)
Was kann ich machen? - Initiativen und Kampagnen für den Erhalt der Wissensallmende
Attac-AG Wissensallmende und freier Informationsfluss
In dieser offiziell anerkannten bundesweiten Attac-AG arbeiten wir zu fast
allen Themen, die in diesem Buch beschrieben werden. Wir betreiben Öffentlichkeits-
und Pressearbeit, um die Wissensallmende in der öffentlichen Debatte
zu stärken. Besonders wichtig ist uns die Verknüpfung der verschiedenen
politischen Auseinandersetzungen um geistige Monopolrechte. Wir treffen uns
regelmäßig zu bundesweiten Treffen, Telefonkonferenzen und Chats.
Lokale Gruppen gibt es in Münster, Bochum und Berlin. Wir sind auch gerne
bereit, unsere Thesen in Vorträgen oder Diskussionsveranstaltungen vorzubringen: oliver@attac.de, www.attac.de/wissensallmende
BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie
…ist eine Gruppe im Rahmen der Bundeskoordination Internationalismus
(BUKO). Die Kampagne will Widerstand gegen Biopiraterie aufbauen und gesellschaftliche
Alternativen diskutieren und unterstützen. Die Kampagne arbeitet mit
Aktionen, Protest und juristischen Mitteln - sowohl zu konkreten Fällen
als auch zu den politischen Rahmenbedingungen, den modernen »Kaperbriefen« wie
dem TRIPS-Abkommen. Zweimal jährlich gibt sie die Zeitung »Kaperbrief« heraus:
info@biopiraterie.de, www.biopiraterie.de
BUKO-Pharma-Kampagne ...
wurde
mit dem Ziel gegründet, die Aktivitäten der deutschen Pharmaindustrie
in der Dritten Welt zu untersuchen. Durch Aktionen und Aufklärung will
sie Veränderungen herbeiführen: www.bukopharma.de, info@bukopharma.de
Fairsharing-Netzwerk
Ziel ist die Freigabe des Tauschens im Internet und die Einführung einer
Kulturflatrate. Das Netzwerk besteht aus zahlreichen Einzelpersonen und der
Attac-AG Wissensallmende, dem FoeBuD, der Grünen Jugend und der Initiative
privatkopie.net:
info@fairsharing.de, www.fairsharing.de
Ebenfalls zur Wissensallmende aktiv sind u.a. der Chaos-Computer-Club (www.ccc.de),
der Bielefelder Verein FoeBuD (www.foebud.
org), privatkopie.net (www.privatkopie.net),
das Netzwerk Neue Medien (www.nnm-ev.de) und speziell zu Softwarepatenten
der FFII (www.ffii.org).
Eine wichtige Möglichkeit für Einzelpersonen, zur Wissensallmende
beizutragen, ist es, eigene Werke der Allgemeinheit bereitzustellen. Für
Texte bieten sich die Creative-Commons-Lizenzen an (www.creativecommons.org).
Auch für Software sollten wo immer möglich freie Lizenzen genutzt
werden.
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