Alternativen im Bereich Agrar und Pharma
Das TRIPS-Abkommen erzwingt im Bereich der geistigen Monopolrechte Mindeststandards,
die insbesondere die Entwicklung von Ländern des Südens mehr blockieren
als fördern. Wir fordern daher die Abschaffung des TRIPS-Abkommens. Sollte
dies politisch nicht durchsetzbar sein, muss es zumindest radikal entschärft
werden. Solange das TRIPS noch in Kraft ist, muss es möglichst entwicklungsländerfreundlich
ausgelegt werden, insbesondere was den Schutz von Pflanzen, Tieren und Organismen
durch geistige Monopolrechte betrifft. Seine Ausnahmeklauseln müssen ausgeweitet
werden. Insbesondere Entwicklungsländer
müssen die Möglichkeit bekommen, alternative Systeme zum Schutz biologischer
Ressourcen einzuführen, die den jeweiligen ökonomischen, sozialen
und kulturellen Besonderheiten des Landes gerecht werden können.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Gensequenzen von Menschen, Tieren
und Pflanzen patentiert. Eine solche Entwicklung nutzt nur wenigen großen
Life-Science-Konzernen, während Medikamente erheblich teurer werden und
die Gefahr besteht, dass der medizinische Fortschritt abgewürgt wird (s.
Kap. 2). Im Bereich der Gesundheitspolitik könnten ohne Patente weitaus
mehr Menschen die Kosten für Behandlungen und Medikamente tragen. Wir
fordern daher, dass zumindest lebenswichtige Grundsatzpräparate von der
Patentierbarkeit ausgenommen werden. Insbesondere die Entwicklungsländer
sollten die Möglichkeit erhalten, Medikamente ganz von der Patentierbarkeit
auszunehmen. Solange das politisch nicht durchsetzbar ist, sollten Entwicklungsländer
es zumindest deutlich leichter haben als bisher, Zwangslizenzen zu vergeben,
um so patentierte Arzneimittel billiger herzustellen bzw. zu importieren.
Um Sperrpatente zu verhindern, sollten nur noch genau beschriebene technische
Anwendungen patentierbar sein, aber nicht mehr ein Gen als solches und damit
alle möglichen zukünftigen Anwendungen. Patente auf Leben müssen
verhindert werden. Laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace spricht
sich auch eine überwältigende Mehrheit von 84,1% der deutschen Bevölkerung
gegen die Patentierung von Genen, Pflanzen, Tieren und Teilen des menschlichen
Körpers aus. 61,7% der Befragten wollen, dass Patente auf Leben durch politisches
Eingreifen verboten werden (Greenpeace 2000).
Da das heutige System geistiger Monopolrechte nicht dazu geeignet ist, die Erforschung
von Krankheiten zu fördern, die besonders Menschen in armen Regionen betreffen,
müssen mehr öffentliche Mittel für die Erforschung gesundheitlicher
Probleme bereitgestellt werden. Traditionelles Wissen der indigenen Völker
muss vor Biopiraterie der Pharmakonzerne geschützt werden. Es ist bewahrenswert
und zu schützen, aber nicht durch geistige Monopolrechte, sondern dadurch,
dass der freie Zugang zu diesem Wissen und seinen Ableitungen für die gesamte
Menschheit sichergestellt wird. Die Bemühungen, traditionelles Wissen
in Datenbanken zu sammeln und frei zur Verfügung zu stellen, müssen
weiter vorangetrieben werden. Bei der Erteilung von Patenten können diese
eine wichtige Rolle spielen, da traditionelles Wissen bislang kaum schriftlich
festgehalten wird und somit bei der »Neuheitsprüfung« eines
Patents zu wenig Beachtung findet.
Die Rechte indigener Gemeinschaften müssen international anerkannt werden.
Indigene Gemeinschaften müssen zudem bei Entscheidungen, die den Umgang
mit ihren pflanzengenetischen Ressourcen betreffen, mit einbezogen werden. Durch
geistige Monopolrechte und genverändertes Saatgut geraten Landwirte
immer stärker in Abhängigkeit von transnationalen Saatgutfirmen,
die ihre Machtstellung vor allem durch ein juristisch durchsetzbares Nachbauverbot
für Saatgut erreichen.
Die Nachbauverbote und -gebühren im Sortenschutz bzw. im Patentrecht
sollten aufgehoben werden. Das lebenswichtige Recht, Pflanzen zu züchten
und frei weiterzugeben, darf durch geistige Monopolrechte nicht beeinträchtigt
werden. Durch öffentliche Forschungsfinanzierung im Bereich der Landwirtschaft
sollte das Welterbe der pflanzengenetischen Ressourcen bewahrt werden, indem
Varietäten frei zur Verfügung gestellt werden. Industrie- und Entwicklungsländer
sollten außerdem den Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für
Lebensmittel und Landwirtschaft ratifizieren, um einen ersten Schritt zu unternehmen,
die Artenvielfalt sicherzustellen und die Welternährung nicht zu gefährden.
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