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Wohnungen |
| Die Welt im Privatisierungswahn! : Dokumentation : Märkte / Branchen : Wohnungen |
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Knut Unger: Gegen die Plünderung des Sozialen Wohnens in Europa Mieterverein: Häusser hobelt Hiltrop ab (WAZ 15.1.03)
Folgender Text erwschien bei www.mhmhamburg.de
zur Übersicht der Geschehnisse in Deutschland: Unter dem Stichwort
„Privatisierung“ wird wieder verstärkt der Wohnungsverkauf an die
Mieterinnen gehandelt, von freien Wohnungsunternehmen ebenso wie von politisch
Verantwortlichen für Wohnungsunternehmen mit öffentlicher Beteiligung. Oft
wird der Eindruck erweckt, dass es nur Gewinner gäbe: Mieterinnen, die dies
wollen oder finanziell können, werden Eigentümer – das Unternehmen erzielt höhere
Einnahmen und größere Renditen. Die Realität zeigt aber, dass es sich zumeist
lediglich um einen mehrstufigen Ausverkauf der betroffenen Wohnungsbestände und
Siedlungen handelt. Oft hat bereits nach kurzer Zeit ein Grossteil der alten
Mieter die „Koffer gepackt“ und ist „freiwillig“ verzogen.
Dies zeigen jedenfalls Erfahrungen der letzten zwei Jahre, die wir im
Ruhrgebiet mit solcherlei „Privatisierungen“ machen mussten – also unter
Bedingungen eines seit einigen Jahren günstigen Wohnungsmarktes. Einige
Wohnungsunternehmen mit öffentlicher Beteiligung betreiben Privatisierungen,
die sich mengenmäßig noch „in Grenzen“ halten. In großem Stil wird dies
seit 1999 von dem mit ca. 130.000 Wohnungen größten Unternehmen der Region,
der EON-Tochter Viterra umgesetzt. Da EON sich auf das internationale Energie-
und Wassergeschäft konzentriert, werden alle sonstigen Unternehmen abgestoßen.
Dabei wird die Bildung von Wohneigentum im eigenen Bestand seit drei Jahren von
Viterra selbst in großem Umfang betrieben; dieses Geschäft ist offensichtlich
zu gewinnbringend, um es anderen zu überlassen. Dabei präsentiert sich Viterra
als der besonders mieterfreundliche Umwandler: Es gibt ein lebenslanges
Wohnrecht für alle Mieter über 65 Jahre und zehn Jahre Kündigungssperrfrist
werden unabhängig von noch ausstehenden Verordnungen der Landesregierung
zugesichert. Ansonsten dominiert das Verkaufsgeschehen nach üblichem Schema:
Erst gibt es die „Sonderangebote“ für Mieterinnen, leerstehende Wohnungen
werden an Selbstnutzer verkauft und für später wird der Verkauf vermieteter
Wohnungen an „seriöse Kapitalanleger“ angekündigt. Die Anzahl der
Mieterinnen, die sich zum Kauf entscheiden liegt zwischen 10-30% je nach
Siedlung oder Wohnanlage. Ein Teil der neuen Wohnungseigentümer will mit dem
Kauf die eigenen Investitionen in die Wohnung vor einer ungewissen Zukunft
sichern. Überraschend für das Unternehmen war jedoch der kurzfristige Auszug
eines Großteils der bisherigen Mieter. Der zugesicherte Mieterschutz ändert
nichts daran, dass man sich nicht mehr „zu Hause“ fühlt. Im Ergebnis gibt
es Siedlungen mit Leerständen von bis zu 40%. Der Markt für Selbstnutzer ist
bereits ausgeschöpft und Mieter meiden verständlicherweise den Einzug in zum
Verkauf an Dritte anstehende Wohnungen. Also drohen größere Leerstände für längere
Zeit. Statt der erwarteten „Aufwertung“ durch Selbstnutzer, droht ein
dramatischer Imageverlust durch Leerstände. Mieter, die gekauft haben, müssen
sich fragen, ob ihre Kapitalanlage wirklich ihren Preis wert war.Privatisierung
zerstört vor allem gewachsene Nachbarschaften und stellt ganze Siedlungen oder
Stadtbezirke „auf den Kopf“. Verlierer sind diejenigen Mieter, die Mieter
bleiben und unter Mietern wohnen wollen, und die bisherige Gemeinschaft. Damit
aber auch die Kommune selbst, denn es gibt plötzlich Wohnbereiche, bei denen
niemand weiß, wie ihre Zukunft sein wird. Für Mietervertreter ist die hohe
Auszugsrate dabei nicht überraschend. Denn bei der Privatisierung größerer
Wohnanlagen wiederholt sich nur, was sich bei der Umwandlung von Einzelobjekten
immer schon gezeigt hat: Für die Mehrzahl der Mieterinnen ist dies eine Veränderung,
der man sich lieber durch Umzug entzieht. Auch wenn angespanntere Wohnungsmärkte
dies nicht so deutlich machen, gerade für Unternehmen mit öffentlicher
Beteiligung sollte feststehen, dass die soziale Bilanz der Privatisierungen
negativ und damit „out“ ist.
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Wohnungen Ansprechpartner: Knut Unger (unger @ mvwit. de) |
Zuletzt geändert am: 15.09.2003
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