Glossar
Auftragsvergabe,
öffentliche:
Die Vergabe einer Aufgabe (von Reinigung über Bau bis Wasserversorgung) vom
Staat/Kommune an ein privates oder auch öffentliches Unternehme. Nach
EU-Richtlinien und dem GATS muss bald praktisch jeder Auftrag europa-/weltweit
ausgeschrieben werden – die eigenen Stadtwerke eine Kommune müssten dann
bspw. mit einem US-Amerikanischen Konzern konkurrieren.
Binnenmarkt:
Beseitigung aller Schranken für den Handel innerhalb der EU durch die
Verwirklichung der vier Freiheiten für den Personen-, Waren-, Dienstleistungs-
und Kapitalverkehr.
Daseinsvorsorge:
all das, was für die Daseinsermöglichung des modernen Menschen ohne Lebensraum
erforderlich ist und bisher allgemein als Aufgabe des Staates bzw. der Kommunen
gesehen wurde. Dazu gehören (im weiteren Sinn) Gesundheitsfürsorge, soziale
Leistungen wie Alterssicherung, Zugang zu Wasser, Gas und Strom, Abwasser- und
Abfallentsorgung, Telekommunikation, Post, Bildung und öffentlicher Verkehr /
Verkehrsinfrastruktur. Bei vielen dieser öffentlichen Güter (Wasser,
Gesundheit, Bildung) kann das für den Markt wesentliche Ausschlussprinzip (wer
nicht zahlt, bekommt keine Leistung) nicht angewendet werden.
Deregulierung:
Reduzierung von Regeln und Normen / weniger Staatseingriffe mit dem Ziel
Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft zu fördern.
GATS:
General Agreement on Trade in Services - Allgemeines Abkommen zum Handel mit
Dienstleistungen, 1995 von der àWTO
verabschiedet. Eine weitreichende Ausdehnung des Geltungsbereiches wird seit
2000 verhandelt. Das GATS ist ein Instrument, um die weltweite Liberalisierung
im Bereich Dienstleistungen voranzutreiben. Auch öffentliche Dienstleistungen
wie Bildung, Gesundheit und Wasser fallen in den Regelungsbereich des GATS.
IWF: Internationaler
Währungsfonds. Gegründet zur Überwachung des internationalen
Wechselkurssystems; mit der zunehmenden Verschuldung der Entwicklungsländer
zu einer der international einflussreichsten Kräfte zur Durchsetzung
neoliberaler Globalisierung gewandelt. Er „bewertet“ jährlich die
Wirtschaftspolitik seiner 182 Mitgliedsländer und vergibt kurzfristige Kredite.
Der Kredit ist an die Umsetzung von àSAPs
gebunden. Stimmrechte je nach Reichtum des Landes: G7-Staaten: rund 50%, 138
Entwicklungsländer zusammen nur ca. 30%.
Kommodifizierung,
Verwarenförmigung: Ein Gut, das öffentlich Zugänglich war oder vom Staat bereitgestellt
wurde, wird nun auf Märkten als Ware gehandelt, wo nur noch der Tauschwert zählt.
Konzession:
befristete behördliche Genehmigung zur Ausübung eines Gewerbes. Hier die
befristete Vergabe eines Versorgungsgebietes an ein privates Unternehmen.
Liberalisierung:
Maßnahmen, mit denen in bislang staatlich reglementierten Branchen
Marktbedingungen geschaffen werden, also sowohl die Schaffung neuer Märkte
(z.B. für Strom) als auch die Ausweitung von Märkte über Grenzen hinweg.
Marktversagen:
liegt vor, wenn der Markt bei der Bereitstellung von Gütern versagt. Eine flächendeckende
Daseinsvorsorge bzw. die Versorgung mit öffentlichen Gütern zu Preisen, die
von allen bezahlt werden können, ist über den Markt nur sehr eingeschränkt/nicht
möglich.
Multi
Utility:
bezeichnet die umfassende Versorgung mit leitungs- bzw. netzgebundenen Gütern,
d.h. die Bereitstellung von Strom, Gas und Wasser aus einer Hand.
Privatisierung
im engeren Sinne: öffentliches Eigentum oder Vermögen in Privatvermögen
umwandeln. Im weiteren Sinne: öffentliche Aufgaben, die bisher von der öffentlichen
Hand (Bund, Länder, Kommunen) durchgeführt wurden, werden auf privatrechtliche
Gesellschaften übertragen (also auch schon die Umwandlung eines öffentlichen
Unternehmens in ein privatrechtlich betriebenes, das noch zu 100% dem Staat /
der Kommune gehört).
Public
Private Partnership (PPP): bezeichnet allgemein Formen der Zusammenarbeit zwischen
einer Kommune und einem privaten Unternehmen.
Querverbund,
kommunaler:
Zusammenfassung zweier oder mehrerer betrieblicher Organisationseinheiten der
leitungsgebundenen Energie- und Wasserversorgung, der Entsorgung, des ÖPNV
sowie andere kommunaler Dienstleistungen in einem Wirtschaftsunternehmen
(Stadtwerke).
SAP:
Strukturanpassungsprogramme von àIWF/àWeltbank, die stets detaillierte Vorgaben für den neoliberalen Umbau
der Wirtschaftspolitik machen, folgen stets dem gleichen Muster: Verminderung
der öffentlichen Ausgaben (durch Streichung von Subventionen bei Lebensmittel,
Daseinsvorsorge u.a., Entlassungen…), Marktöffnung für ausländische
Unternehmen durch Abbau von Handels- und Investitionsbeschränkungen,
Privatisierung öffentlicher Unternehmen.
Shareholder
Value:
Vorrangiges Ziel des Managements, den Wert des Unternehmens (und damit der
Aktien) zu steigern und eine hohe Dividende auszuzahlen: der Aktionär (Shareholder)
steht im Mittelpunkt. Bedürfnisbefriedigung, Arbeitsplätze u.a. sind nur
Mittel zum Zweck des Profits.
Staatsversagen:
These von grundsätzlichen Mängeln bei der wirtschaftlichen Betätigung oder
der Steuerung der Wirtschaft durch den Staat.
TNK,
Transnationale Konzerne: Die wichtigsten Konzerne im Wassersektor: Vivendi (Veolia),
Suez/Ondeo, RWE/Thames-Water, E.on/Gelsenwasser; im Strommarkt: EdF (F), E.on,
RWE.
Weltbank: größte
internationale Kreditanstalt für Projekte in Entwicklungsländern. Meist
langfristige Kredite, an bestimmtes Projekt oder an Umgestaltung eines
Wirtschaftssektors gebunden. Ein Großteil der Kredite wird in Abstimmung mit
dem àIWF für àSAPs
gegeben: Die Weltbank sichert dann u.a. die Umsetzung der SAP-Auflagen.
Stimmrecht nach Wirtschaftskraft gestaffelt.
WTO,
Welthandelsorganisation (World Trade Organisation): 1995 gegründet, 145
Mitgliedsstaaten, Hauptsäulen sind das GATT (Abbau von Handelsschranken im
Warenverkehr), das àGATS
und das TRIPS (Patentschutz).
Dank
an Christina Deckwirth, Saskia Teepe,
Jörg Musiolik, Dominik Fette (alle Attac Marburg)!