Hier eine Stellungnahme von Susan George zu den Folgen:
"Eine [...] selbstverständliche Auswirkung des
Wettbewerbs als zentraler Wert des Neoliberalismus ist, dass der
öffentliche Sektor brutal zusammengestrichen werden muss, weil
er dem fundamentalen Gesetz des Wettbewerbs um Profite oder
Marktanteile nicht gehorcht und dies auch nicht kann.
Privatisierung ist eine der wesentlichen ökonomischen
Veränderungen der vergangenen zwanzig Jahre [...].
Ich möchte mit der Frage beginnen, warum die kapitalistischen
Länder, besonders Europa, überhaupt öffentlichliche Dienste
hatten und viele heute auch noch haben. Tatsächlich stellen fast
alle öffentlichen Dienste das dar, was Wirtschaftswissenschaftler
'natürliche Monopole' nennen. [...] Vollkommen normal und
naturgemäß neigen die neuen kapitalistischen Eigentümer dazu,
der Öffentlichkeit Monopolpreise abzuverlangen, wobei sie sich
selbst reichlich belohnen. Klassische Wirtschaftswissenschaftler
nennen dieses Ergebnis 'strukturelles Scheitern des Marktes',
weil die Preise höher sind als sie sein müssten, und der
Service für den Verbraucher nicht unbedingt gut ist. Um
strukturelles Scheitern des Markts zu verhindern, übertrugen die
kapitalistischen Länder Europas bis Mitte der achtziger Jahre
den Post- und Telefondienst, Stromversorgung, Gas, Eisenbahn,
U-Bahnen, Flugverkehr und andere Dienste wie Wasserversorgung,
Müllabfuhr etc. staatseigenen Monopolen. [...]
Was die anderen Auswirkungen der Privatisierungen angeht, waren
sie vorhersehbar und wurden vorausgesagt. Die Manager der neu
privatisierten Unternehmen, oft genau dieselben Leute wie vorher,
verdoppelten oder verdreifachten ihre eigenen Gehälter. Die
Regierung verwendete das Geld der Steuerzahler, um Schulden zu
tilgen und Firmen mit Kapitel auszustatten, bevor sie sie auf den
Markt brachte - die Wasserbehörde [in England, Red.] erhielt
z.B. 5 Millionen britische Pfund für Schuldenentlastung,
zusätzlich 1,6 Mrd. Pfund, eine sogenannte 'grüne Mitgift', um
die Braut für potentielle Kunden attraktiver zu machen. Ein
großer PR-Rummel über kleine Anteileigner bei diesen
Gesellschaften wurde veranstaltet. Tatsächlich kauften neun
Millionen Briten Aktien - doch die Hälfte von ihnen investierte
weniger als 1000 britische Pfund. Die meisten von ihnen
verkauften aber ihre Aktien ziemlich schnell, sobald sie den
schnellen Gewinn kassieren konnten.
Aus den Ergebnissen kann man leicht schließen, dass der ganze
Zweck der Privatisierung weder wirtschaftliche Effizienz noch
verbesserter Service für den Verbraucher ist, sondern ganz
einfach der Transfer von Reichtum aus der öffentlichen Hand -
die ihn umverteilen könnte, um soziale Ungleichheiten zu
reduzieren - in private Hände [...]
Ich schlage vor, dass wir aufhören, von Privatisierungen zu sprechen
und stattdessen Worte verwenden, die die Wahrheit deutlich
machen: Wir reden über die Veräußerung und Preisgabe der
Ergebnisse der jahrzehntelangen Arbeit tausender Menschen und
eine winzige Minderheit großer Investoren. Dies ist einer der
größten Raubüberfälle unserer und aller bisherigen
Generationen.
(zitiert aus Maria Mies' "Globalisierung von unten".
Volltext ist unter www.tni.org/george
zu finden.)