| Dokumentation | Grundlegendes | Aktionen | Glossar | Mitmachen | Neues | Impressum |
|
Märkte / Branchen |
| Die Welt im Privatisierungswahn! : Dokumentation : Märkte / Branchen |
Unten findet ihr Verweise auf einige Märkte und Branchen, in denen
Privatisierungen und Verkäufe stattfinden. Nachfolgend aber erstmal ein Text
über verschiedene misslungene Privatisierungen aus aller Welt. Aktuelle Informationen sind über die News der "Zeitung für kommunale Wirtschaft" zu bekommen.
Beispielsammlung für die fehlgeschlagene
Liberalisierung/Privatisierung öffentlicher Dienste Ø In Chile wurde das Pensionssystem
komplett privatisiert und ist seither das teuerste der Welt: Die
Verwaltungskosten verschlingen 30 Prozent der eingezahlten Beiträge.1
Zum Vergleich: Die Verwaltungskosten der österreichischen PV betragen 1,8%.
Zwei Berufsgruppen wurden von der Privatisierung ausgenommen: Polizei und
Militär. Ø In Kalifornien ist der Strommarkt
nach der Liberalisierung mehrfach zusammengebrochen. Ø Auch in Schweden leiden die KonsumentInnen nach sechs Jahren freiem Strommarkt unter hohen Preisen und
Versorgungsproblemen: Im Winter 2001 waren Zehntausende Haushalte tagelang ohne
Strom (Wasser und Wärme), weil die Reparaturtrupps für von Stürmen geknickte
Leitungen eingespart wurden. Die Preise sanken nur vorübergehend. Seit der
Markt bereinigt ist und drei Konzerne 90% der schwedischen Stromproduktion
kontrollieren, geht´s bergauf. Allein im letzen Winter (2001) stiegen die
Strompreise um 40%. Dazu droht in einigen Jahren eine massive Versorgungskrise,
weil die überwiegend im Ausland tätigen Konzerne nicht mehr in Schweden
investieren. Auch um die Umwelt kümmert sich der freie Markt nicht. Die einst
führende Wasserkraft ist auf Platz drei hinter Kohle und Atomstrom
zurückgefallen.2 Ø Auch die Gasmarkt-Liberalisierung wird in Österreich zu höheren Preisen und zu
sinkender Versorgungsqualität führen, prophezeit Werner Steinecker,
Vorstandsmitglied der Oberösterreichischen Ferngas. Der Grund: Aufgrund des Trends
zu Erdgas-Börsen mit Tages- und Stundenpreisen fließe kein Geld mehr in
notwendige Infrastruktur.3 Ø In Großbritannien bauen die privatisierten Eisenbahnen einen Unfall nach dem anderen, weil ebenfalls nicht in
die Infrastruktur investiert, sondern an die Aktionäre ausgeschüttet wird.
Heute kommen in England, das für seine Pünktlichkeit berühmt ist, 80 Prozent
aller Züge zu spät. Und wer zur falschen Tageszeit von Birmingham nach London
fährt, muss statt 15 Pfund stolze 76 Pfund bezahlen – für dieselbe Leistung!4 Ø Im Großraum London wurde der Busverkehr
1986 vollständig dereguliert. Bis 1992 ist die Zahl der Fahrgäste um 22%
zurückgegangen, die realen Fahrpreise bis 1996 um 25% gestiegen.5 Ø Egal, wo der öffentliche Verkehr eingestellt wird,
sind die Menschen gezwungen, auf das vielfach teurere, unökologischere und
risikoreichere Privatauto umzusteigen. In Österreich sperren die Nebenbahnen im
Vorfeld der Bahnliberalisierung zu. Ø Die britischen Wasserversorger haben nach der Privatisierung die Tarife
um 50% erhöht und 20.000 Haushalten vorübergehend den sprichwörtlichen
Wasserhahn abgedreht, weil sie die steigenden Rechnungen nicht bezahlen
konnten. Die Wasserqualität hat sich verschlechtert, die Ø
In
der bolivianischen Stadt Cochabambawurden die Wasserpreise nach der Privatisierung verdoppelt. Es kam zum
Generalstreik, woraufhin das Militär eingesetzt wurde, allerdings nicht gegen
den US-Versorger Bechtel, sondern gegen die bolivianische Bevölkerung. Ein
Siebzehnjähriger wurde erschossen. Ø
Auch
in der argentinischen Provinz
Tucumán stiegen die Wasserpreise nach
der Privatisierung um 104 Prozent und Keime tauchten im Wasser auf. Proteste
und Zahlungsboykotte führten zum Rückzug von Vivendi - Générale
des Eaux.7 Ø In den USA steigt die Zahl der nicht krankenversicherten
Menschen trotz Wirtschaftswachstum konstant an. 2001 standen bereits 41,2
Millionen Personen oder 15% der Bevölkerung ohne KV da. Eine öffentliche KV gib
es nicht, und ein Teil der Arbeitgeber kann sich die Versicherung der Beschäftigten
u. a. aufgrund der (steigenden) privaten Behandlungskosten nicht (mehr)
leisten.8 Ø Auf den Philippinen sind in Folge eines Kosteneinsparungs- und
Privatisierungsprogramm bereits 49% der Spitalbetten
in privaten Händen. Die Kosten müssen zum großen Teil die PatientInnen
tragen. Nach Protesten wurde zwar ein Versicherungssystem eingeführt, dieses
deckt jedoch nur 38% der Bevölkerung. Die philippinische Regierung wendet nur
noch 2,6% des Budgets für die Gesundheitsversorgung auf gegenüber 28,4% für den
Schuldenservice.6 Ø Auch in der Schweiz wird Leistung um Leistung aus
dem staatlichen Gesundheitssystem heraus genommen. Zahnarztleistungen müssten bereits privat bezahlt oder versichert
werden. In den Schweizer Schulen wir bis zu sechs Mal pro Jahr Unterricht im
Zähneputzen gegeben, weil Zahnarztbesuche für viele Kinder finanziell nicht
drin sind. Als nächstes sollen alle
Leistungen rund um die Schwangerschaft aus dem öffentlichen Gesundheitssystem
gestrichen werden. Ø Der Chef des führenden französischen Versicherungskonzerns Axa
begründete eine beabsichtigte Verdopplung der Prämien für Behindertenrenten Anfang 2000 gegenüber Le Monde so: „Ich bin eine
Versicherungsgesellschaft, mir geht es um Gewinn, nicht um Solidarität.“9 Ø In Großbritannien betragen die öffentlichen Pensionen rund 5000 Schilling, das reicht nicht zum Leben. In
London leben 30% der Pensionisten unter der Armutsgrenze. Die privaten
Zusatzpensionen sind nicht nur teurer, sondern auch unsicherer, denn: Ø Kaum lassen die Finanzmärkte
etwas aus, krachen weltweit die privaten Pensionskassen
und Lebensversicherer: Japan (mit
Kyoei Life, Chiyoda Mutual Life und Tokio Mutual Life gleich drei große
Lebensversicherer Bankrott), England (Equitable
Life „berichtigte“ über Nacht die Werte aller Depots: minus 16 Prozent), Schweiz (Pleite von Vera/Pavos) und USA (Enron-Bankrott). Aber auch die österreichischen Pensionskassen kürzen
– nach nur drei mageren Börsenjahren – die Betriebspensionen heuer schon zum
zweiten Mal in Folge. Ø Durch die freie Schulwahl
und den hohen Anteil privater Schulen ist
in Großbritannien eine soziale und
ethische Polarisierung zu beobachten. In sozial schwachen Vierteln dominieren
so genannte „Restschulen“ mit einem hohen Anteil von MigrantInnen, Armen und
schwierigen Kindern, während die Reichen und Schönen in den Villenvierteln
unter sich bleiben. Die LehrerInenn wurden so stark unter Druck gesetzt
(leistungsabhängige Entlohnung), dass 40% der PädagogInnen innerhalb der ersten
drei Dienstjahre ihren Job an den Nagel hängen. Das hat dazu geführt, dass zu
Beginn jedes Schuljahres viele Stellen unbesetzt bleiben und viele Lehrkräfte
Fächer unterrichten müssen, in denen sie nicht ausgebildet sind – oder dass
Klassen einfach zusammengelegt
werden. Durch die schlechte finanzielle Ausstattung des staatlichen
Schulsystems müssen sich die Schulen zunehmend nach privaten Sponsoren umsehen.
So finden sich in Schulbüchern Inserate der „Qualitätszeitung“ The Sun, Schulsportvereine werden vom
„Vorbildkonzern“ Nike ausgestattet
und große Banken investieren in CD-Roms und Computerspiele für wirtschaftliche
Fächer. Gleichzeitig werden Sparmaßnahmen im Bildungsbereich durchgesetzt.10 Ø In den USA übernahm die Firma Edison 133 öffentliche Schulen mit dem Versprechen, diese effizienter zu
managen, die Kosten zu senken und die Leistungen zu verbessern. Eingetreten ist
das Gegenteil. Durch in den Verträgen „versteckte“ Kosten stiegen diese, die
Leistungen der SchülerInnen nahmen hingegen ab. Eine von Edison gemanagte
Volksschule in San Francisco rutschte überhaupt auf den letzten Platz (75) „in
town“ ab. LehrerInnen und Personal wurden gekündigt, um Kosten zu sparen, aber
bis zu 50% der LehrerInnen kündigten auch selbst, weil sich die
Arbeitsbedingungen verschlechtert hatten (Straffung der Stundenpläne nach
ökonomischen Kriterien). Dazu kamen Bilanzmanipulationen und angehäufte
Schuldenberge, deren Auffliegen den Börsenkurs von Edison Schools Inc. Von 38
auf 1 Dollar abstürzen ließen. Mitte 2002 kämpft das ehemalige „Wunderkind“ der
profitorientierten Bildung mit dem Konkurs. Jetzt kehren Edison-geschädigten
Schulen vielerorts in die öffentliche Verantwortung zurück. 1 Url Thomas: „Die Leistungsfähigkeit
und Leistungssicherheit kapitalgedeckter Pensionssysteme“, Wifo 2002, S. 7 2 Die Wochenzeitung Nr. 35/29. August
2002, S. 10 3 Salzburger Nachrichten, 19. August
2002 4 Ö1-Radio-Kolleg am 2. Oktober 2002,
9.05 Uhr 5 Privatisierung und Liberalisierung
öffentlicher Dienstleistungen in der EU, Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und
Politikentwicklung ÖGPP, Wien 2002, Teil 1: Eisenbahnen und ÖPNV, S. 16. 6 WEED / Seattle to Brussels-Netzwerk:
„GATS und Demokratie“, WEED Arbeitspapier, November 2001. 7 „Wichtiger als Erdöl“ in Die Zeit
06/2002 8 APA, 30. September 2002. 9 Le Monde, 18. Februar 2000. 10 Privatisierung und
Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU, Österreichische
Gesellschaft für Politikberatung und
Politikentwicklung ÖGPP, Wien 2002, Teil 7: Bildung, S. 14 - 15. |
|||
Arbeitsvermittlung
|
|||
Bahn
|
|||
Banken / Sparkassen
|
|||
Bildung
|
|||
Ernährung
|
|||
Funk & Fernsehen
|
|||
Gas
|
|||
Gesundheitsversorgung
|
|||
Immobilien
|
|||
Kultur / Sport
|
|||
Natur / Gene
|
|||
Öffentlicher Nahverkehr
|
|||
Patente / geistiges Eigentum
|
|||
Pflegebetriebe
|
|||
Post
|
|||
Müllentsorgung
|
|||
Sicherheit
|
|||
Stadtraum / Ordnung
|
|||
Stadtwerke
|
|||
Stromversorgung
|
|||
Wasser
|
|||
Wohnungen
|
|||
|
Kontakt: kontakt @ privatisierungswahn. de |
Zuletzt geändert am: 15.03.2004
|