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Country: EU.COUNTRIES Privatisierung
und Arbeitsbeziehungen
Die Privatisierung von
Organisationen und Dienstleistungen, die
früher zum öffentlichen Sektor
gehörten, sowie die Liberalisierung
früherer Monopolmärkte sind allgemeine
Trends, die für Westeuropa in den
neunziger Jahren charakteristisch waren.
Die vorliegende Vergleichsstudie befaßt
sich mit den Auswirkungen dieser
Maßnahmen auf die Beziehung zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern, indem sie
Bereiche wie Beschäftigungsniveau und
Stellung im Erwerbsleben, Entlohnung und
Arbeitsbedingungen, Tarifvereinbarungen,
Vertretung von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern sowie die
Arbeitsbeziehungen im allgemeinen, näher
beleuchtet.
Seit den frühen achtziger Jahren ist
die Wirtschaftspolitik in ganz Westeuropa
durch Privatisierung und Liberalisierung
gekennzeichnet, ein wesentlicher Wandel
im Vergleich zum langen Zeitraum nach dem
Zweiten Weltkrieg, in dem tiefgreifende
und immer stärkere öffentliche
Eingriffe in die Wirtschaft zu beobachten
waren. Diese Änderung der Politik hat
sich nicht nur auf öffentliches Eigentum
und staatliche Unternehmen im
Produktions- und Wettbewerbssektor
ausgewirkt, sondern erstreckt sich auch
auf den Dienstleistungssektor, die
Versorgungswirtschaft (der
Telekommunikationssektor ist hier ein
sehr gutes Beispiel) und sogar auf die
Erbringung von Leistungen für die
öffentliche Wohlfahrt.
Die Auswirkungen von Privatisierung
und Liberalisierung auf die
Arbeitsbeziehungen beinhalten ein
wesentliches Potential, da die
Arbeitsbeziehungen im öffentlichen
Sektor in gewissem Maße vom Privatsektor
getrennt sind und im allgemeinen
besondere Kennzeichen aufweisen (z.B.
weist der öffentliche Bereich häufig
höhere Zahlen an
Gewerkschaftsmitgliedern sowie eine
stärkeres Engagement der Gewerkschaften
auf ). Der Grad der Trennung sowie die
spezifischen Kennzeichen hängen jedoch
vom jeweiligen nationalen Kontext ab.
Solche spezifischen Merkmale der
Arbeitsbeziehungen im öffentlichen
Sektor treten vor allem in nicht
konkurrierenden Bereichen zutage, in
denen der öffentliche Sektor oft eine
Monopolstellung einnimmt (z. B. in der
öffentlichen Versorgungswirtschaft) oder
in denen die öffentliche Hand eine
starke Präsenz aufweist (wie im Falle
von Wohlfahrtseinrichtungen). Aufgrund
dieser Situation können wir davon
ausgehen, daß die Privatisierung
wichtige Auswirkungen auf die folgenden
Bereiche gehabt hat: Vertretung
(besonders in den
Arbeitgeberorganisationen und
Gewerkschaften im öffentlichen Sektor),
Mitgliederzahlen und
Repräsentationsgrad; sowie auf die
spezifischen Modelle der
Arbeitsbeziehungen in den Sektoren und
Unternehmen, die von Privatisierungs- und
Liberalisierungsvorgängen betroffen
waren. Mit der vorliegenden
Vergleichsstudie - die auf Beiträgen der
nationalen Zentren der Europäischen
Beobachtungsstelle für die Entwicklung
der Arbeitsbeziehungen (EIRO) beruht -
wird versucht, die Hauptelemente dieser
Veränderungen zu untersuchen, wobei
Privatisierung und Liberalisierung einer
allgemeinen Betrachtung unterzogen werden
und der Telekommunikationssektor als
konkretes Beispiel herausgegriffen wird.
Das Ausmaß der Privatisierung
Nach den ersten Erfahrungen des Vereinigten
Königreichs und einiger anderer Länder
(z. B. Frankreich) in den achtziger
Jahren sind Privatisierung und
Liberalisierung während der neunziger
Jahre nach und nach zu einem deutlichen
Merkmal der Politik der Europäischen
Union geworden. Die zwei Hauptgründe
für diesen Weg in Richtung Deregulierung
und Verringerung der direkten staatlichen
Interventionsmaßnahmen in der Wirtschaft
waren: einerseits die Annahme einer Reihe
von
"Liberalisierungsrichtlinien"
der EU (Telekommunikation,
Eisenbahnverkehr, Luftverkehr, Energie
und Postdienstleistungen), die darauf
abzielten, die inländischen Märkte dem
Wettbewerb zu öffnen; sowie andererseits
die Weiterentwicklung der Wirtschafts-
und Währungsunion, die wegen des Drucks
der im Vertrag von Maastricht
festgelegten Konvergenzkriterien die
Regierungen zum Verkauf von staatlichen
Vermögenswerten und Anteilen an
Industrieunternehmen ermutigt hat. Als
Folge wurde in ganz Europa privatisiert
und liberalisiert. Tabelle 1 zeigt die
wichtigsten bisherigen Privatisierungs-
und Liberalisierungsentwicklungen in den
Mitgliedstaaten der EU und in Norwegen.
| Tabelle 1. Privatisierung und
Liberalisierung: Die wichtigsten
Entwicklungen in der
Europäischen Union und in
Norwegen |
| Land |
Entwicklungen |
| Österreich |
Teilweiser oder
vollständiger Verkauf von
Unternehmen in
wettbewerbsorientierten Sektoren
(Bankwesen, Öl und Gas, Salz-
und Tabakmonopole, usw.). Verkauf
von Minderheitsanteilen im
Telekommunikationssektor. Die
Eisenbahn, die Post und der
Elektrizitätssektor werden zur
Zeit umstrukturiert. |
| Belgien |
In den
wettbewerbsorientierten Sektoren
sind Unternehmen privatisiert
worden (Banken, Versicherungen,
Fähren). Die
Versorgungsunternehmen sind in
"autonome öffentliche
Unternehmen"
(Telekommunikation, Post,
Eisenbahn) umgewandelt worden. |
| Dänemark |
In den
wettbewerbsorientierten Sektoren
sind einige Firmen im Bank- und
Transportwesen privatisiert
worden (Autobusdienst).
"Umwandlung" einiger
öffentlicher Großbetriebe
(Flughafen von Kopenhagen, Post,
staatliche Schiffahrtslinien) zu
eigenen Rechtspersönlichkeiten
(d. h. Umwandlung in ein
Unternehmen, das im Eigentum der
öffentlichen Hand bleibt).
Vollständige Privatisierung der
Telekomfirma TeleDanmark. Die
Ausgliederung von
Wohlfahrtseinrichtungen auf
lokaler Ebene nimmt zu. |
| Finnland |
"Umwandlung"
einiger Unternehmen (Eisenbahn,
Post, Luftverkehr, Bankwesen) zu
eigenen Rechtspersönlichkeiten.
Privatisierung in
wettbewerbsorientierten Sektoren
und in der Versorgungswirtschaft
(Stromerzeugung, Gütertransport
in Helsinki und - teilweise -
Telekommunikation und
Luftverkehr). Bei der
Umstrukturierung lokaler
Wohlfahrtseinrichtungen sind
Ausgliederungen an der
Tagesordnung. |
| Frankreich |
Die
Privatisierung von Unternehmen in
wettbewerbsorientierten Sektoren
ist nahezu abgeschlossen. Die
Versorgungsunternehmen wurden in
die vollständige Privatisierung
nicht einbezogen, die Unternehmen
France Telecom und Air France
wurden nur teilweise verkauft.
Auf lokaler Ebene sind
Ausgliederungen vor allem in der
Wasserwirtschaft häufig. Bei den
Wohlfahrtseinrichtungen hat keine
Privatisierung stattgefunden - es
werden höchstens Tätigkeiten
von zweitrangiger Bedeutung
(Catering, Reinigung usw.)
ausgegliedert. |
| Deutschland |
Privatisierung
von Unternehmen in
wettbewerbsorientierten Sektoren
(Autos, Chemikalien) sowie
früherer ostdeutscher
Staatsunternehmen. Auf regionaler
Ebene haben in einigen Bereichen,
wie z. B. im Transportwesen und
in der Müllabfuhr,
Privatisierungen stattgefunden.
Liberalisierung einiger
Versorgungsunternehmen (Energie
und Post), Beispiele von
Teilprivatisierungen
(Telekommunikation). |
| Griechenland |
Einige
Privatisierungsmaßnahmen in
wettbewerbsorientierten Sektoren.
Die Privatisierung der
Versorgungsunternehmen wird zur
Zeit diskutiert. |
| Irland |
Die
Privatisierung staatlicher
Banken, der halbstaatlichen
Fluglinie Aer Lingus, der
Flughafenbetreiberfirma und der
staatlichen Forste ist zur Zeit
Gegenstand von Diskussionen. Telecom
Eireann ist bereits privatisiert
worden, die Stromversorgung soll
demnächst liberalisiert werden. |
| Italien |
Die
Privatisierung erstreckt sich auf
einen Großteil der staatlichen
Unternehmen in
wettbewerbsorientierten Sektoren
(Banken, Versicherungen und die
Tochterfirmen der Iri- und Enikonzerne),
viele Versorgungsunternehmen auf
nationaler und lokaler Ebene,
sowie - in einem viel geringeren
Ausmaß - auf
Wohlfahrtseinrichtungen, vor
allem auf lokaler Ebene mittels
Ausgliederung. |
| Luxemburg |
Einige
Änderungen im rechtlichen Status
einiger staatlicher Unternehmen
(Eisenbahnen, Banken). |
| Niederlande |
Es ist sowohl in
wettbewerbsorientierten Sektoren
(Bankwesen, chemische Industrie,
Stahl usw.) als auch in der
Versorgungswirtschaft (Post und
Telekommunikation, regionale
Beförderungsunternehmen, einige
Energieunternehmen) zu
Privatisierungen gekommen. |
| Norwegen |
In einigen
Sektoren (Getreide und
pharmazeutische Produkte) ist es
zu Teilprivatisierungen gekommen.
Die Teilprivatisierung der
staatlichen Ölfirma und von
Firmen im
Telekommunikationsbereich ist zur
Zeit Gegenstand von Diskussionen.
Bereiche wie die
Versorgungswirtschaft, z. B.
Telekommunikation, Post,
Eisenbahn und Stromversorgung,
sind liberalisiert und für einen
erhöhten Wettbewerb geöffnet
worden, während staatliche
Institutionen in autonome
Unternehmen umgewandelt wurden. |
| Portugal |
Die
Privatisierung erstreckt sich
sowohl auf wettbewerbsorientierte
Sektoren als auch auf
Versorgungsunternehmen (z. B.
Telekommunikation). Bei den
Wohlfahrtseinrichtungen gibt es
bestimmte Formen der
Privatisierung - so stehen einige
Krankenhäuser unter
privatrechtlicher Verwaltung. |
| Spanien |
Aufgrund der
Privatisierung hat sich der
Staatsbesitz wesentlich
verringert; die Privatisierung
umfaßt sowohl
wettbewerbsorientierte Sektoren
(Eisen und Stahl, Textilien,
chemische Produkte, usw.) als
auch öffentliche
Dienstleistungen (Strom,
Transportwesen,
Telekommunikation). Die
Privatisierungswelle hat nun auch
die Wohlfahrtseinrichtungen
erfaßt. |
| Schweden |
"Umwandlung"
staatlicher Unternehmen in eigene
Rechtspersönlichkeiten. Für die
Eisenbahn und den
Telekommunikationssektor werden
eingeschränkte Formen der
Privatisierung diskutiert. |
| Vereinigtes
Königreich |
In den
wettbewerbsorientierten Sektoren
und bei den öffentlichen
Versorgungsbetrieben wurde
umfassend privatisiert, diese
Bereiche wurden zugleich auch
liberalisiert. Auf lokaler Ebene
sind für einen großen Bereich
an Nebendienstleistungen
(Reinigung, Catering, usw.)
Ausschreibungen gesetzlich
vorgeschrieben. |
Quelle: EIRO
Bei den Privatisierungen nimmt Europa
nunmehr eine Spitzenstellung ein. Die
europäischen Verkäufe öffentlicher
Vermögenswerte machten 1998 über 50 %
der gesamten weltweiten
Privatisierungserlöse aus - siehe
nachstehende Tabelle 2.
| Tabelle 2.
Gesamtprivatisierungserlöse in
den neunziger Jahren in der EU
und Norwegen (1990-1998) (in
Millionen US Dollar) |
| Land |
1990-1995 |
1996 |
1997 |
1998* |
Gesamt |
| Österreich |
2 006 |
1 251 |
2 020 |
2 935 |
8 212 |
| Belgien |
4 186 |
1 222 |
1 562 |
1 467 |
8 437 |
| Dänemark |
1 005 |
366 |
45 |
4 502 |
5 918 |
| Finnland |
1 758 |
911 |
835 |
1 999 |
5 503 |
| Frankreich |
21 775 |
5 099 |
8 189 |
13 467 |
48 530 |
| Deutschland |
1 000 |
13 228 |
1 125 |
364 |
15 717 |
| Griechenland |
152 |
558 |
1 395 |
3 892 |
5 997 |
| Irland |
1 016 |
293 |
- |
- |
1 309 |
| Italien |
15 870 |
6 265 |
27 719 |
13 619 |
63 473 |
| Luxemburg |
- |
- |
- |
- |
- |
| Niederlande |
9 434 |
1 239 |
831 |
335 |
11 839 |
| Norwegen |
712 |
660 |
35 |
28 |
1 435 |
| Portugal |
8 773 |
3 011 |
4 968 |
4 271 |
21 023 |
| Spanien |
8 614 |
2 679 |
12 522 |
11 618 |
35 433 |
| Schweden |
3 795 |
785 |
1 055 |
172 |
5 807 |
| Vereinigtes
Königreich |
51 890 |
7 610 |
4 544 |
- |
64 044 |
| Gesamt |
131 986 |
45 177 |
66 845 |
58 669 |
302 677 |
| weltweit |
332 143 |
97 258 |
153 782 |
114 542 |
697 725 |
| Prozentanteil
der EU und Norwegens am
weltweiten Gesamtbetrag |
39,74 |
46,45 |
43,47 |
51,22 |
43,38 |
*Vorläufige Zahlen
Quelle: ,
in Financial Market Trends Nr. 72, OECD,
Februar 1999, S. 129-145.
Wie aus Tabelle 3 hervorgeht, ist die
Privatisierung jedoch nicht in allen
europäischen Ländern im selben Ausmaß
erfolgt. Vielmehr hat jedes Land ein
bestimmtes Paket an mehr oder weniger
deutlichen Privatisierungsleitlinien
geschnürt und einen eigenständigen
Ansatz entwickelt. Im folgenden
untersuchen wir die wesentlichen
quantitativen Unterschiede zwischen den
Ländern, weil das Ausmaß der
Privatisierung die Auswirkungen auf die
Arbeitsbeziehungen höchstwahrscheinlich
beeinflußt. Es würde jedoch den Rahmen
dieses Berichts sprengen, wollte man zwei
weitere Faktoren näher untersuchen, die
für die Auswirkungen der
Privatisierungsmaßnahmen höchst
relevant sein könnten: Die Bedeutung,
die Privatisierungs- und
Liberalisierungsmaßnahmen für die
Wirtschaft eines Einzelstaates haben,
hängt vom Ausmaß der öffentlichen
Interventionen vor deren Umsetzung ab;
ferner kann der Zeitpunkt, zu dem mit der
Privatisierung begonnen wird, von
Bedeutung sein, wenn sich die
Auswirkungen im Laufe der Zeit
verstärken, so daß mit Unterschieden
zwischen jenen Staaten zu rechnen ist,
die die Privatisierung früh eingeleitet
haben und jenen, die sich erst spät dazu
entschlossen haben.
| Tabelle 3.
Privatisierungsindikatoren |
| Land |
Anteil (in %)
des jeweiligen Landes an den
Gesamtprivatisierungserlösen der
EU plus Norwegen 1990-1998 |
Gesamt-privatisierungserlöse
1990-1998 in % des BIP 1998 |
| Vereinigtes
Königreich |
21,16 |
4,72 |
| Italien |
20,97 |
5,41 |
| Frankreich |
16,03 |
3,38 |
| Spanien |
11,71 |
6,40 |
| Portugal |
6,95 |
19,85 |
| Deutschland |
5,19* |
0,74* |
| Niederlande |
3,91 |
3,14 |
| Belgien |
2,79 |
3,37 |
| Österreich |
2,71 |
3,87 |
| Griechenland |
1,98 |
4,98 |
| Dänemark |
1,96 |
3,38 |
| Schweden |
1,92 |
2,56 |
| Finnland |
1,82 |
4,41 |
| Norwegen |
0,47 |
0,98 |
| Irland |
0,43 |
1,57 |
| Luxemburg |
- |
- |
*Bis 1997 sind
Unternehmensverkäufe nicht
berücksichtigt.
Quelle: Eigene Berechnungen auf der
Grundlage der "Privatisierungstrends",
in Financial Market Trends Nr. 72, OECD,
Februar 1999, S. 129-145, sowie Bruttoinlandsprodukt,
OECD, August 1999.
Im großen und ganzen können die
verschiedenen Länder in drei Gruppen
geteilt werden:
- Länder, die als die Pioniere der
Privatisierung in den neunziger
Jahren betrachtet werden können.
Diese Gruppe umfaßt das
Vereinigte Königreich als
Wegbereiter für die
"Privatisierungsära"
sowie einige andere Länder, die
die Privatisierung in einem
relativ großen Maßstab
umgesetzt und durch den Verkauf
von staatlichen Vermögenswerten
beträchtliche Mittel aufgebracht
haben, die entweder als Anteil an
der gesamten europäischen
Privatisierung oder als
Prozentsatz des BIP berechnet
werden (siehe Tabelle 3). Zu
diesen Ländern zählen Italien,
Frankreich, Spanien und Portugal;
- am anderen Ende der Skala jene
Länder, in denen der
Privatisierung weniger Bedeutung
zukam - Luxemburg (wo von
direkter Privatisierung kaum die
Rede sein kann), Irland, Norwegen
und Schweden; sowie
- Länder, in denen der Verkauf
staatlicher Vermögenswerte vor
allem für den inländischen
Markt eine gewisse Rolle gespielt
hat - Finnland, Dänemark, Griechenland,
Österreich, Belgien, die Niederlande
und Deutschland.
Diese Einteilung ist ein
anfänglicher, oberflächlicher Hinweis
auf die Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern in diesem überaus
komplexen Bereich. Sie hat jedoch ihre
Grenzen. Wenn man z. B. nur von den
"quantitativen" Faktoren
ausgeht, können einige wichtige
"qualitative" Merkmale
übersehen werden; so hat beispielsweise
Frankreich die Versorgungsunternehmen
bisher aus der Privatisierung
ausgenommen; Deutschland ist bei der
Privatisierung vorsichtig vorgegangen,
auch wenn sein Beitrag zur
gesamteuropäischen Privatisierung alles
andere als unbedeutend war; Portugal
sticht mit seinen
Privatisierungsbemühungen besonders
hervor, wenn man diese zur Größe des
inländischen Marktes in Beziehung
stellt.
Wie bereits erwähnt, hat die
Privatisierung Auswirkungen auf
wettbewerbsorientierte Sektoren,
Versorgungsunternehmen und
Wohlfahrtseinrichtungen gehabt,
wenngleich in einem unterschiedlichen
Ausmaß. Es kann gesagt werden, daß ein
allgemeiner "Rückzug" des
Staates aus den wettbewerbsorientierten
Sektoren stattgefunden hat; das Ausmaß
der Privatisierung und Liberalisierung im
Bereich der öffentlichen
Versorgungswirtschaft war jedoch nicht
unerheblich, auch wenn die Umsetzung in
den einzelnen Ländern in einem
unterschiedlichen Ausmaß erfolgte. Bei
den Wohlfahrtseinrichtungen (wie
Gesundheit und soziale Leistungen) kommt
es vor allem als Folge der immer weiter
um sich greifenden Ausgliederungen und
wettbewerbsorientierten
Ausschreibungsverfahren zu
Veränderungen. In der vorliegenden
Studie über die Auswirkungen der
Privatisierung auf die Arbeitsbeziehungen
gilt das Hauptaugenmerk vor allem den
Versorgungsunternehmen (hier dient als
Beispiel die Telekommunikation), wo die
Privatisierung im allgemeinen mit der
Schaffung neuer "sektoraler"
Märkte und neuer Systeme zur Regelung
der Arbeitsbeziehungen zusammenhängt
(was in wettbewerbsorientierten Sektoren
gewöhnlich nicht der Fall ist). Darüber
hinaus können in diesem Bereich leichter
gemeinsame Begriffsbestimmungen dessen,
was unter "Privatisierung" der
Versorgungsunternehmen zu verstehen ist,
gefunden werden sowie eher besser
vergleichbare Beispiele gebracht werden.
Die Auswirkungen auf die
Arbeitsbeziehungen
Zu den wesentlichen Merkmalen der
Arbeitsbeziehungen im öffentlichen
Sektor zählen die folgenden Punkte:
- Öffentliches Eigentum bringt es
häufig mit sich, daß guten
Arbeitsbeziehungen und einem
gemeinsamen Konsens mehr
Aufmerksamkeit gezollt wird; dies
führt in der Regel zu einem
besseren Klima in der
Zusammenarbeit zwischen
Betriebsführung und
Gewerkschaften;
- Der Schutz und die Garantien für
die Arbeitnehmer sind in einem
staatlichen Unternehmen in der
Regel besser ausgeprägt, nicht
zuletzt was die Sicherheit des
Arbeitsplatzes betrifft. In
einigen Ländern kann dieser
Schutz überwiegend mit dem
Sonderstatus des
"Staatsangestellten
zusammenhängen"; ferner
- gibt es unter Umständen
spezifische Gewerkschaften für
den öffentlichen Sektor; das
System der Arbeitsbeziehungen
kann bestimmte Merkmale aufweisen
- z. B. was das Ausmaß der
Zentralisierung betrifft.
Die Maßnahmen in Richtung
Privateigentum stellen diese Merkmale
samt und sonders in Frage und können zu
grundlegenden Änderungen führen.
Nachstehend untersuchen wir den in ganz
Europa vor sich gehenden Wandel in diesen
Bereichen und betrachten die
Veränderungen, die sich für
Beschäftigungsniveau, Entlohnung,
Arbeitskosten und Produktivität ergeben.
Beschäftigungsniveau
Die Privatisierung wirkt sich auf das
sektorale Beschäftigungsniveau
wahrscheinlich vor allem aufgrund der
Auswirkungen der Kombination der
folgenden Maßnahmen aus:
Umstrukturierung von Unternehmen und
häufig gleichzeitiger Abbau von
Arbeitskräften, was oft mit der
Einflußnahme privater Investoren
zusammenhängt; andererseits die
Schaffung von Arbeitsplätzen durch neue
Marktteilnehmer, wenn die Entstaatlichung
mit der Liberalisierung und Öffnung der
inländischen Märkte Hand in Hand geht
(wie im Falle von Versorgungsunternehmen
und sonstigen Diensten).
Der Telekommunikationssektor ist ein
anschauliches Beispiel für diese zwei
gegensätzlichen Trends. Die
Nettoauswirkung der Privatisierung auf
die Beschäftigung ist zwischen den
Ländern unterschiedlich; es sind
insgesamt sowohl steigende als auch
sinkende sektorale Beschäftigungszahlen
zu beobachten, je nach der Struktur des
Wirtschaftszweiges nach der
Liberalisierung und den
Sektorkomponenten, die berücksichtigt
werden. Es sollte jedoch nicht übersehen
werden, daß die "Quantität der
Beschäftigung" nur einen Teil der
Geschichte ausmacht, und daß die
Qualität der Beschäftigung (wie
Entlohnungshöhe und Arbeitsbedingungen)
den zweiten Teil bildet.
Österreich, dessen
Telekommunikationssektor am 1. Januar
1998 dereguliert und teilweise
privatisiert wurde, ist ein
hervorragendes Beispiel für die Zunahme
von Arbeitsplätzen durch
Liberalisierung. Die Beschäftigung ist
von etwa 6 000 auf circa 42 000 Personen
gestiegen, wobei für das Jahr 2000 mit
einem weiteren Anstieg von 2 000
Arbeitsplätzen gerechnet wird. In
Deutschland ist die Beschäftigung bei
der Deutschen Telekom zwar um etwa 50 000
Arbeitsplätze gesunken, es sind jedoch
neue Arbeitsplätze in jenen
Konkurrenzfirmen entstanden, die neu in
den Telekommunikationsmarkt eingestiegen
sind. Laut Reg TP, der sektoralen
Regulierungsbehörde, belief sich die
Gesamtzahl der Arbeitsplätze in den
Konkurrenzfirmen im Jahr 1998 auf 40 600;
1999 wird mit einem Anstieg auf 53 100
gerechnet; dann wird der
Beschäftigungsabbau bei der Deutschen
Telekom das erste Mal durch
Beschäftigungszuwächse in
konkurrierenden Unternehmen nicht nur
ausgeglichen, sondern übertroffen worden
sein.
Die Streitfrage, die sich aus einem
direkten Zusammenhang zwischen
Privatisierung und Beschäftigungsabbau
ergeben kann, wird sehr gut durch das
Beispiel Belgacom in Belgien
veranschaulicht. Hier kam es zwar zu
keinem Verkauf, die Umwandlung des
Unternehmens in ein sogenanntes
"autonomes öffentliches
Unternehmen" erfolgte jedoch auf
Kosten von Arbeitsplätzen, obwohl dieser
Beschäftigungsverlust auch im Kontext
eines globalen Arbeitskräfteabbaus und
einer viel früher einsetzenden
Umstrukturierung gesehen werden sollte.
Nach der Umwandlung in ein autonomes
öffentliches Unternehmen und angesichts
des stärkeren Wettbewerbs als Folge der
Liberalisierung entschloß sich Belgacom
abzuspecken: 6 289 Personen gingen in die
Frührente, und 6 600 Arbeitnehmern wurde
ein Umschulungsprogramm angeboten, um
einen Arbeitsplatzwechsel innerhalb des
Unternehmens zu ermöglichen.
Was die einzelnen
Telekommunikationsfirmen betrifft, die
durch die Privatisierung (und
Liberalisierung) betroffen sind, kann
festgestellt werden, daß in der Regel
ein Beschäftigungsabbau stattgefunden
hat, der häufig beträchtliche Ausmaße
erreichte. Aus Tabelle 4 geht jedoch
hervor, daß der Arbeitsplatzabbau
zumeist mit einem Konsens und häufig
ohne Massenentlassungen erreicht werden
konnte: Der Personalabbau war das
Ergebnis der Arbeitskräftefluktuation
und der den Arbeitnehmern gebotenen
Anreize, ihre Stellung aufzugeben oder
die Rente anzutreten. Dies heißt nicht,
daß es im Zusammenhang mit
Personalabbaumaßnahmen nicht zu
Konfrontationen gekommen ist, die
Parteien sind jedoch im allgemeinen in
der Lage gewesen, auch in den
schwierigsten Situationen zu einer
Einigung zu kommen, wie dies der Fall von
TeleDanmark eindrucksvoll
veranschaulicht.
| Tabelle 4. Vorgehensweise bei
Kündigungen als Folge der
Privatisierung/Liberalisierung im
Telekommunikationssektor |
| Land |
Vorgehensweise
bei Kündigungen |
| Österreich |
Die Telekom
Austria beschäftigte Ende 1998
16 800 Personen. Bis 2003 soll
diese Zahl um etwa 10 %
verringert werden. Im Juni 1999
wurde zwischen dem Betriebsrat
und der Betriebsführung ein
Sozialplan vereinbart, der seit
Anfang August 1999 umgesetzt
wird. Arbeitnehmer, die vor dem
Ende des Jahres 2000 56 Jahre alt
werden, haben die Möglichkeit,
in Frührente zu gehen, wobei sie
von der Firma freigestellt werden
und weiterhin mindestens 75 %
ihres letzten Nettobezugs
erhalten, bis sie das 60.
Lebensjahr erreicht und Anspruch
auf die gesetzliche Pension
haben. Der Plan richtet sich an 1
049 Arbeitnehmer und kostet etwa
1,5 Mrd ATS . In ähnlicher Weise
haben sich 1998 1 711
Arbeitnehmer für den
Vorruhestand entschieden,
während 141 Personen aus anderen
Gründen ausschieden. |
| Belgien |
Bei Belgacom ist
6 289 Personen der Vorruhestand
angeboten worden; 6 600
Mitarbeiter erhielten die
Möglichkeit, an individuellen
Umschulungsprogrammen
teilzunehmen, um einen
Arbeitsplatzwechsel innerhalb der
Firma zu ermöglichen. |
| Dänemark |
Im Januar 1997
gab TeleDanmark bekannt, daß 2
500 Arbeitnehmer entlassen und
gleichzeitig 500 neue Mitarbeiter
mit spezifischen Qualifikationen
eingestellt würden. Der
Betriebsführung von TeleDanmark
wurde von den Arbeitnehmern und
den Gewerkschaften vorgeworfen,
es verabsäumt zu haben,
bestehendes Personal umzuschulen
und erneut einzusetzen. Nach
einem Arbeitskonflikt erklärte
sich die Betriebsführung bereit,
bei der Bewältigung des
Kündigungsproblems mit den
Gewerkschaften
zusammenzuarbeiten. Bis 1999
hatten 2 500 Arbeitnehmer - vor
allem ältere Arbeiter und
Techniker mit überholten
Kenntnissen - das Unternehmen
verlassen, während gleichzeitig
1 000 neue Mitarbeiter
eingestellt worden waren. Heute
beschäftigt TeleDanmark etwa 17
000 Mitarbeiter. |
| Finnland |
Bei der Post und
Telekommunikation Finnland war
der Beschäftigungsrückgang von
10 000 Mitarbeitern am Beginn der
neunziger Jahre auf 9 000 im
Jahre 1999 in erster Linie durch
die technologischen
Veränderungen, die den Bedarf an
niedrigqualifizierten
Arbeitskräften zurückgehen und
die Nachfrage nach höher
qualifizierten Arbeitnehmern (vor
allem in den neuen
Dienstleistungsbereichen)
ansteigen ließen, bedingt. Von
1994 bis 1996 wurden dem
betroffenen Personal
Vorruhestandsregelungen und
Geldzuwendungen für
Weiterbildung angeboten. Darüber
hinaus bietet das Unternehmen den
von der Kündigung bedrohten
Mitarbeitern Umschulungen und
neue Arbeitsmöglichkeiten. |
| Frankreich |
Vor und nach der
Teilprivatisierung der France
Telecom handelten die
Gewerkschaften Vereinbarungen
aus, um die negativen
Auswirkungen der geplanten
Kündigungen zu mildern; dazu
gehörte auch ein innovativer
Plan, der den teilweisen
"Abgang in den
Vorruhestand" vorsah.
Staatliche Eingriffe haben einen
wesentlichen Beitrag zur
Verringerung der Kosten dieser
Maßnahmen für das Unternehmen
geleistet. |
| Deutschland |
Anfang 1995 (zur
Zeit der Privatisierung) gab die Deutsche
Telekom ihre Absicht bekannt, den
Personalstand bis zum Ende des
Jahres 2000 um etwa 60 000
Personen auf 170 000 zu senken.
Das Unternehmen handelte mit
seinen drei Gewerkschaften, der Deutschen
Postgewerkschaft (DPG), dem Deutschen
Postverband (DPV KOM) und der Christlichen
Gewerkschaft Post,
Tarifvereinbarungen aus, in denen
bis zum Ende des Jahres 2000 auf
Kündigungen verzichtet wurde und
die Gewerkschaften Forderungen
nach erhöhter Mobilität und
Flexibilität der Arbeitnehmer
akzeptierten. Um den geplanten
Personalabbau zu erreichen,
wurden für Abgänger relativ
großzügige Entschädigungen und
günstige Vorruhestandspläne
geboten, die von vielen auch
angenommen wurden. Mitte 1999 war
der Personalstand der Firma auf
174 000 Mitarbeiter gesunken. |
| Griechenland |
Es wird damit
gerechnet, daß das Personal von OTE
im Laufe der Privatisierung von
26 000 Personen im Jahre 1996 auf
16 000 bis zum Jahr 2000
schrumpft. 1995 einigten sich die
Parteien auf ein System, im
Rahmen dessen bereits 4 000
Mitarbeitern das Unternehmen
freiwillig verlassen haben. |
| Irland |
Der
Personalabbau, den die Telecom
Eireann während der letzten
Jahre - von etwa 13 000
Mitarbeitern 1994 auf etwa 10 500
im Jahre 1998 - verzeichnet, ist
besonders bemerkenswert. Der
Beschäftigungsrückgang wird
auch während der nächsten drei
Jahre anhalten, da man mit dem
Abgang von weiteren 2 500
Mitarbeitern rechnet. Die
kürzlich erfolgten
Veränderungen im
Beschäftigungsniveau waren
Gegenstand von Verhandlungen, die
1997 zur Unterzeichnung der
"Telecompartnerschaftsvereinbarung"
durch die Gewerkschaften und die
Betriebsführung führten, in der
die freiwillige Einsparung von 2
500 Arbeitsplätzen festgelegt
wurde. |
| Italien |
Bei der Telecom
Italia Spa verringerte sich der
Gesamtbeschäftigtenstand in den
fünf Jahren von 1994 bis 1999 um
etwa 20 %; hier wurden die
Mitarbeiter durch wirtschaftliche
Anreize dazu bewogen, aus dem
Unternehmen auszuscheiden oder in
Rente zu gehen. Solche Anreize
wurden von den Sozialpartnern
für einen vorübergehenden
Zeitraum bis 1997 vereinbart, das
Unternehmen hat sie jedoch seit
diesem Zeitpunkt einseitig
weiterhin gewährt. |
| Norwegen |
1993 schuf Telenor
eine Abteilung mit der
Bezeichnung "Telenor - Neue
Chancen" (Telenor Nye
Muligheter), die die Aufgabe
hatte, den von einer Kündigung
bedrohten Mitarbeitern zu helfen.
Als die Abteilung anfangs 1997
geschlossen wurde, waren nahezu 5
000 Personen durch sie betreut
worden. Davon erhielten etwa 2
000 Personen erneut Arbeit beim
Telenorkonzern, weitere 2 000
schieden aus, und 460 Personen
gingen in Rente. |
| Portugal |
Die Telecom
Portugal begann 1992 mit dem
Personalabbau. 1995 beschäftigte
das Unternehmen 23 000
Mitarbeiter, um die Zahl der
Mitarbeiter zu reduzieren setzte
es eine Reihe von Programmen um:
a) geförderter Vorruhestand; b)
Beendigung des Dienstvertrages im
gegenseitigen Einvernehmen; c)
Outplacement (Plazierung von
Mitarbeitern bei Anbietern, denen
als Gegenleistung bestimmte
Anreize geboten werden); und d)
die Plazierung von Mitarbeitern
bei Unternehmen, mit denen
Telecom Portugal eng
zusammenarbeitet, z. B. Marconi
und TVCabo. |
| Spanien |
Telefónica hat
den Personalabbau hauptsächlich
durch Kündigungsregelungen und
Vereinbarungen bewerkstelligt,
wobei Frührente und freiwilliges
Ausscheiden in drei Stufen
ermöglicht wurde - zwei Stufen
waren zwischen dem Unternehmen
und den Gewerkschaften
abgesprochen, die dritte Stufe
wurde vom Unternehmen festgelegt.
In diese Lösung waren 15 000
Arbeitnehmer verschiedener
Kategorien und
Qualifikationsniveaus einbezogen.
|
| Vereinigtes
Königreich |
Bei der British
Telecom ging die Beschäftigung
von 238 384 Mitarbeitern im Jahre
1984 durch die Privatisierung im
Laufe von zehn Jahren auf 156 000
zurück, die Arbeitsplatzverluste
betrafen alle
Qualifikationsstufen, waren
jedoch in den von technischen
Innovationen betroffenen
Bereichen (z. B. in der
Telephonvermittlung) und im
mittleren Management besonders
ausgeprägt, da hier durch den
Abbau von
"Managementebenen"
flachere Organisationsstrukturen
geschaffen werden sollten. Der
"Personalabbau" wurde
durch großzügige
Kündigungsabfindungen (1992-1993
durchschnittlich 35 000 GBP pro
Person) wesentlich unterstützt.
Von der BT wurde Outplacement in
Anspruch genommen, ferner
übernahm sie Umschulungskosten
bis zu 1 000 GBP und bot
vorübergehende
Arbeitsmöglichkeiten durch
Arbeitsvermittlungsagenturen. Mit
den Gewerkschaften wurde
selbstverständlich Rücksprache
genommen; bei der BT ging es
jedoch in erster Linie um das
Ausmaß der Zahlungen und die
Auswahlkriterien und weniger um
Alternativen zum
Arbeitsplatzverlust. |
Quelle: EIRO
Beschäftigungsstatus
Ein weiterer wichtiger Aspekt der
Folgen des staatlichen
"Rückzuges" aus der
Wirtschaftsinterventionspolitik ist die
"Privatisierung" des Status der
betroffenen Arbeitnehmer. Es handelt sich
hierbei um eine wichtige Frage, da mit
dem Status eines
"Staatsangestellten"
üblicherweise bestimmte Garantien und
Vorteile verbunden sind. Die
Privatisierung des Arbeitsverhältnisses
betrifft vor allem die Arbeitnehmer von
Versorgungsunternehmen, da die
Mitarbeiter staatlicher Unternehmen in
den wettbewerbsorientierten Sektoren
ohnehin bereits ein dem
"Privatsektor" entsprechendes
Arbeitsverhältnis hatten, während
Bedienstete der Wohlfahrtseinrichtungen
üblicherweise nach wie vor über einen
"Beamtenstatus" verfügen, auch
wenn der Bereich teilweise dereguliert
wird.
In Frankreich haben die Mitarbeiter
der France Telecom ihren Beamtenstatus
beibehalten, womit sie sogar nach der
Umwandlung der Telekommunikationsfirma in
eine Gesellschaft mit beschränkter
Haftung und deren teilweiser
Privatisierung gesetzlich gegen
Entlassungen geschützt sind. In
Deutschland ist der komplizierte
Übergang vom Status früherer
Staatsangestellter zu den völlig
verschiedenen Beschäftigungsmodellen und
-grundsätzen der Privatwirtschaft eines
von vielen Problemen bei der
Privatisierung des Post- und
Telekommunikationssektors. Zu den
schwierigen Rechtsfragen zählen die
gesetzlich festgelegten Rechte - und vor
allem die umfassende
Arbeitsplatzsicherheit - die den Beamten
eingeräumt wird. Solche Rechte gelten
für im öffentlichen Sektor
beschäftigte Arbeiter und Angestellte
zwar nicht, es ist jedoch trotzdem
schwierig gewesen, ihre tarifvertraglich
bestimmten Dienstverträge bei der
Festlegung der Entlohnung und der
Arbeitsbedingungen an den Privatsektor
anzupassen.
Normalerweise ist eine Änderung des
Beschäftigungsstatus äußerst
umstritten und wird von den
Sozialpartnern mit Aufmerksamkeit
verfolgt, wobei die Gewerkschaften die
Beibehaltung der erworbenen Rechte
unterstützen. Als Folge solcher Anliegen
können "privatisierte"
Arbeitnehmer ihre
"Beamtenrechte" (wie in
Norwegen) beibehalten oder es kommt zu
einer Unterscheidung zwischen bereits
vorhandenen Arbeitnehmern und
Neuanstellungen (wie in Belgien und
Dänemark). In anderen Fällen macht es
das beschränkte Ausmaß der
Privatisierung oder Liberalisierung
möglich, daß der Status der
Staatsangestellten im wesentlichen
unangetastet bleibt; dies ist in
Luxemburg der Fall gewesen.
Löhne und Gehälter, Arbeitskosten
und Produktivität
Was Löhne und Gehälter,
Arbeitskosten und Produktivität
betrifft, ergibt sich ein komplexes
Gesamtbild. Einerseits ist eine
Herabsetzung des Lohnniveaus als Folge
der Privatisierung streng genommen
unüblich, obwohl es in einigen Fällen
zu einer Verringerung der
Sozialleistungen gekommen ist, die
früher aufgrund bestimmter Regelungen im
öffentlichen Sektor eingeräumt worden
waren (z. B. Renten, Urlaub und
Krankengeld). Andererseits scheint die
Herabsetzung der Arbeitskosten im Zuge
der Privatisierung in den betroffenen
Ländern Priorität zu genießen; man hat
versucht, dieses Ziel vor allem durch
Personalabbau und Ausgliederung von
Nicht-Kernaktivitäten zu erreichen.
Darüber hinaus ist die
Produktivitätssteigerung ein weiteres
wichtiges Ziel, wobei die
Umstrukturierungs- und
Reorganisationspläne, die im
Zusammenhang mit der Privatisierung
umgesetzt werden, dieses Ziel in erster
Linie dadurch zu erreichen versuchen,
daß die Arbeitsmodalitäten flexibler
gehandhabt werden. In einigen Fällen
trägt auch der technologische Wandel zur
Verbesserung der Produktivität bei (der
Telekommunikationsbereich ist ein sehr
gutes Beispiel dafür).
In Ländern, in denen sektorale
Tarifverhandlungen an der Tagesordnung
sind, können unterschiedliche Löhne das
Ergebnis einer Kombination von
Privatisierungs- und
Liberalisierungsmaßnahmen sein, wenn
neue Marktteilnehmer Tarifvereinbarungen
anwenden, die sich von den bestehenden
unterscheiden, die das frühere
Staatsunternehmen in diesem Sektor
abschloß. Dieser Fall ist für die
ehemaligen Staatsmonopole (wie den
Telekommunikationsbereich) typisch, wo es
früher keine branchenumfassende
Vereinbarung als solche, sondern nur eine
Firmenvereinbarung gegeben hatte, die
diese Aufgabe erfüllte (schließlich war
das staatliche Monopol der einzige
Arbeitgeber in dem Sektor). Nach der
Privatisierung und dem Ende der
Monopolsituation kann der Fall eintreten,
daß Personen, die in diesem Sektor die
gleiche Arbeit verrichten, je nach der
Identität ihres Arbeitgebers sehr
unterschiedlichen tarifvertraglichen
Bestimmungen unterliegen. Normalerweise
bietet der frühere Monopolbetrieb eine
höhere Entlohnung, bessere
Arbeitsbedingungen und einen besseren
Beschäftigungsschutz, also Bedingungen,
die im Kontext einer staatlichen
Interventionspolitik und bei nicht
vorhandener Konkurrenz vereinbart wurden,
während neue Marktteilnehmer in der
Regel ein niedrigeres Entlohnungsniveau
und schlechtere Arbeitsbedingungen
bieten. Solche wachsende
"Unterschiede" werden vom
Telekommunikationssektor in Spanien und
Italien gemeldet, wo die Gewerkschaften
z. B. in beiden Fällen auf dem
Verhandlungsweg versuchen, für den
gesamten Wirtschaftszweig einen einzigen
Rahmen festzulegen.
Nach der Privatisierung kann es
innerhalb eines Sektors auch über
Ausgliederungen zu Unterschieden in der
Entlohnung und in den Arbeitsbedingungen
kommen. Der belgische Banken- und
Versicherungssektor - der sich früher
größtenteils im Staatsbesitz befand -
ist durch einen Trend zu Ausgliederungen
von Betreuungsleistungen, wie z. B.
Call-Centres und Informationstechnologie,
gekennzeichnet. In diesen Fällen sinken
die Arbeitskosten, da für die Erbringer
der ausgegliederten Leistungen im
allgemeinen Tarifverträge gelten, die
für die Arbeitnehmer ungünstiger sind
als die Vereinbarungen auf dem
Bankensektor. Diese umstrittene
Entwicklung - die zu zahlreichen
Arbeitskampfmaßnahmen geführt hat -
läßt sich jedoch weniger der
Privatisierung als vielmehr einer
allgemeinen sektoralen Umstrukturierung
zuschreiben.
Die Deutsche Telekom scheint in dem
allgemeinen Bild, das eine Herabsetzung
der Arbeitskosten nach erfolgter
Privatisierung zeigt, teilweise eine
Ausnahme darzustellen. Während die
Löhne für die meisten Arbeitnehmer
parallel zu jenen im öffentlichen Sektor
(dessen Arbeitsbedingungen der Maßstab
für die Verhandlungen bei der Deutschen
Telekom bleiben) gestiegen sind, sind die
Gehälter einiger speziell qualifizierter
Mitarbeiter und Manager auf das Niveau
angehoben worden, das in privaten
Unternehmen üblich ist. Zusammen mit der
raschen Angleichung der Löhne zwischen
den vormals ostdeutschen und
westdeutschen Standorten hat dies
bedeutet, daß die durchschnittlichen
Arbeitskosten pro Arbeitnehmer hier
stärker gestiegen sind als im
öffentlichen Sektor. Diese Situation ist
jedoch Gegenstand von Überlegungen; zur
Zeit verhandeln das Unternehmen und die
Gewerkschaften über eine neue
Entlohnungsstruktur, die sich vom
öffentlichen Sektor unterscheiden würde
und flexibler und leistungsbezogener
wäre. Bei einigen Tochterfirmen der
Deutschen Telekom sind bereits flexiblere
Tarifvereinbarungen und
Entlohnungsstrukturen in Kraft.
Gewerkschaftsmitgliedschaft
Die Mitgliedschaft in den
Gewerkschaften scheint als Folge der
Privatisierung bestimmter Unternehmen
nicht abgenommen zu haben, sondern ist im
allgemeinen auf dem relativ hohen Niveau
geblieben, das für den öffentlichen
Sektor typisch ist. Es gibt Anzeichen
für sinkende Mitgliedszahlen, man kann
jedoch nur schwer unterscheiden zwischen
dem allgemeineren Trend zu weniger
Mitgliedschaft, der anscheinend in vielen
Ländern zu beobachten ist, und einer
spezifisch
"privatisierungsbedingten"
Auswirkung. Da ein schwacher Zusammenhang
zwischen Privatisierung und sinkenden
Mitgliedszahlen gegeben zu sein scheint,
ist hier wahrscheinlich der Personalabbau
maßgebend: Die Kündigungen treffen
häufig ältere Arbeitnehmer, die eher
Gewerkschaftsmitglieder sind, während
neueingestellte Arbeitskräfte im
allgemeinen jung und besser qualifiziert
sind und es weniger wahrscheinlich ist,
daß sie einer Gewerkschaft beitreten.
In bestimmten Fällen wird im
Zusammenhang mit den Verhandlungen über
privatisierungsbedingte
Reorganisationspläne über eine
unterschiedliche Entwicklung der
Mitgliedszahlen berichtet: So z. B. bei
TeleDanmark, wo die Mitgliedszahlen, wie
verlautet, in den neunziger Jahren als
Folge der Unsicherheit, die durch die
Reorganisations- und Kündigungspläne
entstanden war, gestiegen sind; in
Italien hatte eine Vereinbarung mit der Banca
di Roma genau den gegenteiligen Effekt -
die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer
führte vorübergehend zu einem Rückgang
der Mitgliedszahlen.
Nimmt man den Telekommunikationssektor
als Beispiel, so wird berichtet, daß in
neu gegründeten Unternehmen neue
Gewerkschaftsmitglieder nur schwer zu
gewinnen sind. Diese Unternehmen sind von
ihrer Größe her häufig viel kleiner
als herkömmliche Staatsbetriebe und
beschäftigen vor allem Personen, die
aufgrund ihres Arbeitsplatzes
(überwiegend Stellungen im Handel und in
der Kundenbetreuung) und ihres
Beschäftigungsverhältnisses (Teilzeit,
befristet oder sonstige
"atypische" Verträge)
wahrscheinlich keiner Gewerkschaft
beitreten. Dies könnte ein weiterer
wichtiger Aspekt in einer entstehenden
Zersplitterung der Arbeitsbeziehungen
nach erfolgter Privatisierung sein - dies
um so mehr, als er zu den genannten
"Unterschieden" in Lohnniveau
und Arbeitsschutz beiträgt;
wahrscheinlich erstreckt sich diese
Entwicklung auch auf Firmen, die
ausgegliederte Dienstleistungen
erbringen.
Das System der Arbeitsbeziehungen
Als Folge der Privatisierung
unterliegen die Arbeitsbeziehungen
offensichtlich einem Wandel; die
Veränderungen (einige sind bereits
genannt worden) sind nachstehend
aufgeführt. Es sollte unterschieden
werden zwischen Entwicklungen innerhalb
bestimmter Betriebe, die privatisiert
werden, und Veränderungen, die in den
betroffenen Sektoren oder sogar auf
nationaler Ebene vor sich gehen - eine
Unterscheidung, die in erster Linie bei
der Untersuchung der liberalisierten
Sektoren, wie z. B. der
Telekommunikation, von Bedeutung ist. Die
zwei Entwicklungen hängen natürlich eng
zusammen, es ist jedoch unerläßlich,
sie in bestimmten Bereichen gesondert zu
prüfen, weil Ausmaß und Inhalt der
Veränderung sehr unterschiedlich sein
können. So könnte beispielsweise eine
neue sektorale Vereinbarung, die sowohl
die bestehenden früheren Staatsmonopole
als auch neue Marktteilnehmer umfaßt,
zustandekommen, gleichgültig, was
innerhalb des früheren Monopols
geschieht.
- Der rechtliche Status der
Arbeitnehmer privatisierter
Organisationen verändert sich,
da sie auf privatwirtschaftlicher
Grundlage angestellt werden und
ihr spezielles Arbeitsverhältnis
im öffentlichen Sektor
verlieren. Diese Entwicklung ist
in nahezu jedem von dieser Studie
erfaßten Land gegeben.
- Es besteht ein Trend zur Verringerung
des Unterschieds zwischen den
Arbeitsbeziehungen im
öffentlichen und im privaten
Sektor, wobei sich ersterer
die Grundsätze des letzteren zu
eigen macht. Diese Entwicklung -
die in Ländern wie Belgien, den
Niederlanden und Italien zu
beobachten ist - betrifft vor
allem solche Bereiche des
öffentlichen Sektors wie
öffentlicher Dienst und
öffentliche Verwaltung, die
nicht direkt von der
Privatisierung betroffen sind. In
diesen Fällen können wir von
der "Privatisierung"
des Arbeitsverhältnisses im
öffentlichen Sektor sprechen.
- Die Struktur der
Arbeitgebervertretungändert
sich, da privatisierte
Unternehmen
Arbeitgebervereinigungen in der
Privatwirtschaft beitreten. Dies
kann durch die direkte
Zugehörigkeit zu bestehenden
Organisationen (wie in Dänemark)
oder durch die Schaffung neuer
Organisationen geschehen, die die
privatisierten Unternehmen in
Gruppen einteilen (wie im
Telekommunikationssektor in
Finnland). Gleichzeitig können
frühere Arbeitgebervereinigungen
des öffentlichen Sektors
bestehenden Organisationen im
Privatsektor beitreten oder sich
(wie in Italien) einfach
auflösen. Wenn sich die
Privatisierung jedoch nur auf die
Umwandlung des Unternehmens zu
einer eigenen
"Rechtspersönlichkeit"
beschränkt ist (d. h. die
Organisation verbleibt im
öffentlichen Eigentum, nimmt
aber die Form eines Unternehmens
an), können neue
Arbeitgebervereinigungen im
öffentlichen Sektor eingerichtet
werden - als Beispiel möge
Finnland dienen, wo für
Unternehmen, die den
Gebietskörperschaften gehören,
eine Arbeitgeberorganisation
geschaffen worden ist. In
Norwegen führte die
Privatisierung und Deregulierung
1993 zur Gründung der NAVO,
einer Arbeitgeberorganisation
für Unternehmen im Eigentum der
"öffentlichen Hand" -
als Alternative zur Norwegischen
Industriellenvereinigung (Næringslivets
Hovedorganisasjon, NHO), der
größten Arbeitgeberorganisation
in der Privatwirtschaft. 1999
umfaßt die NAVO etwa 120
Unternehmen mit rund 38 000
Mitarbeitern.
- Die Vertretung durch die
Gewerkschaften ist ebenfalls
betroffen; es wurden Konflikte
zwischen Gewerkschaften des
öffentlichen und des privaten
Sektors im Zusammenhang mit der
Vertretung von in privatisierten
Unternehmen beschäftigten
Arbeitnehmern (wie in Norwegen
und Schweden) gemeldet. Dänemark
bietet ein interessantes Beispiel
für das Nebeneinander von zwei
Gewerkschaften, das mit dem
gemischten Beschäftigungsstatus
der Arbeitnehmer zusammenhängt.
Als Teil der
"Umwandlung" des
dänischen Postdienstes zu einem
Unternehmen mit eigener
Rechtspersönlichkeit kam man
überein, daß ab März 1997
keine neuen Arbeitskräfte mit
Beamtenstatus mehr eingestellt
werden sollten. Zwar wird die
Mehrheit der Postbediensteten
noch von Beamten gestellt, die in
der Nationalen
Postbedienstetengewerkschaft (Dansk
Postforbund) organisiert sind,
sie werden jedoch schrittweise
durch Arbeitnehmer der
öffentlichen Hand, die keinen
Beamtenstatus mehr besitzen und
in der Allgemeinen
Arbeitnehmergewerkschaft
organisiert sind (Specialarbejderforbundet
i Danmark, SiD), ersetzt. Es ist
unter den Gewerkschaften, die die
Arbeitnehmer in den
privatisierten Wirtschaftszweigen
vertreten, auch zu Fusionen
gekommen, u. zw. sowohl im
gleichen Sektor (wie im
Telekommunikationssektor im
Vereinigten Königreich und
Italien) als auch
sektorübergreifend (wie in
Portugal).
- In einigen Fällen hat
Privatisierung bedeutet, daßbestimmte
Formen der Arbeitnehmervertretung
oder Gewerkschaftsvertretung, die
im öffentlichen Sektor
vorhanden sind, beseitigt wurden.
Ein sehr gutes Beispiel ist die
Entfernung von Betriebsräten aus
den Unternehmensvorständen, wie
dies in Irland bei Telecom
Eireann der Fall war. Im
Gegensatz dazu wurde in
Frankreich, das die gewählten
Arbeitervertreter in den
Vorstandsgremien privatisierter
Unternehmen nicht verlieren
wollte, gesetzlich verankert,
daß diese Art der Vertretung im
Falle der Privatisierung
verpflichtend sei (auch wenn
gesetzlich nicht garantiert ist,
daß dies in einer späteren
Aktionärsversammlung wieder
abgeschafft wird). Es soll auch
darauf hingewiesen werden, daß
die Privatisierung in einigen
Fällen nicht zu einer
schlechteren, sondern zu einer
besseren Vertretung geführt hat.
So sind in Finnland Mitarbeiter
der Telekommunikationsfirma Sonera
als Folge von
Privatisierungsverhandlungen in
den leitenden Gremien vertreten.
Bei der Deutschen Telekom hat der
Übergang von Gesetzen über die
Vertretung der Arbeitnehmer im
öffentlichen Sektor zum
Arbeitsverfassungsgesetz des
Privatsektors die
Mitbestimmungsrechte der
Arbeitnehmer in bestimmter Weise
erweitert, da die Vertretung der
Arbeitnehmer im Aufsichtsrat
eingeführt und den
Betriebsräten auf betrieblicher
Ebene eine wesentliche Rolle
eingeräumt wurde.
- Daßder Unternehmensleistung
heute mehr Aufmerksamkeit
geschenkt wird, ein Umstand,
der mit erhöhtem Wettbewerb und
gegebenenfalls mit einer
Börsennotierung zusammenhängt,
hat ebenfalls wesentliche
Auswirkungen auf die
Arbeitsbeziehungen. Die
Einführung von
Leistungsbeurteilung,
leistungsbezogener Entlohnung und
einer "aggressiveren"
Personalführung kann zu einer
Neuorientierung in den
Beziehungen zwischen der
Betriebsführung (die oberste
Führungsebene ist unter
Umständen bereits ausgewechselt
worden) und der Gewerkschaft
führen. Die Ergebnisse könnten
gemischter Natur sein: einerseits
mehr Streit und Antagonismus,
andererseits jedoch die
Entstehung neuer Formen der
Zusammenarbeit. Insgesamt
scheinen einseitige Initiativen
durch die Betriebsführung in
privatisierten Organisationen
zuzunehmen, wozu auch Forderungen
nach flexibleren
Arbeitsmodalitäten und
flexibleren Regelungen gehören.
- Die Struktur der
Tarifverhandlungen ändert
sich in privatisierten
Unternehmen, es gibt jedoch
keinen gemeinsamen Trend. In
einigen Fällen laufen die
Tarifverhandlungen in einer
zentralisierteren Form ab, in
anderen Fällen in einer
dezentralisierteren. Anscheinend
spiegelt die Veränderung in
jedem Fall die Aufteilung der
Verantwortung in der
Unternehmensstruktur wider, die
sich aufgrund der Reorganisation
ergibt. Wenn Privatisierung und
Umstrukturierung die Fusion
verschiedener Unternehmen (wie
dies bei TeleDanmark der Fall
war) oder die Zentralisierung der
Managementfunktionen (wie bei Telecom
Italia) bedeutet, dann können
die Arbeitsbeziehungen
zentralisiert sein. Das Gegenteil
tritt in den häufigeren Fällen
ein, in denen der
Entscheidungsprozeß innerhalb
der Firma dezentralisiert ist.
Bei der Deutschen Telekom, aber
auch in den Niederlanden und in
Norwegen, wird allgemein von
einem Trend zur Dezentralisierung
berichtet. Eine weitere
Dezentralisierung oder größere
Aufsplitterung der
Tarifverhandlungen geht mit den
Deregulierungsvorgängen Hand in
Hand, die zu einer Unterteilung
früherer Unternehmen wie Telenor
in Norwegen oder der
Versorgungsunternehmen im
Vereinigten Königreich geführt
haben.
- In einigen Ländern ist eine
Aufsplitterung der sektoralen
Tarifverhandlungen zu
beobachten; so wenden
verschiedene Unternehmen im
gleichen Wirtschaftszweig
verschiedene sektorale
Vereinbarungen an - dies
geschieht gewöhnlich in jenen
Fällen, wo für neue
Marktteilnehmer oder
Subunternehmer Vereinbarungen
gelten, die sich von denen eines
früheren Staatsunternehmens
unterscheiden. Diese Entwicklung
ist z. B. in der
Telekommunikationswirtschaft in
Deutschland, Italien und Spanien
zu beobachten, während es in
Portugal Fälle gibt, die sich
auf ein und dasselbe Unternehmen
oder ein und denselben Konzern
beschränken. In Italien stellen
Gewerkschaften und einige
Arbeitgeber diese Situation in
Frage, wobei sie mit
"unfairem Wettbewerb"
oder "sozialem Dumping"
argumentieren; die Verhandlungen
über die mögliche Festlegung
einer neuen Vereinbarung, die den
gesamten Wirtschaftszweig
Telekommunikation umfaßt, stehen
vor ihrem unmittelbaren Beginn.
- Ein weitverbreiteter Trend ist
die Zunahme von Beteiligungen
der Arbeitnehmer an
privatisierten Unternehmen;
Ausnahmen bilden hier nur die
Niederlande, wo man dieser Frage
relativ geringe Priorität
beimißt, und Norwegen, von wo
keine Beteiligungen berichtet
werden. Nur in wenigen Fällen
hat sich der Aktienbesitz der
Mitarbeiter auf die Vertretung
der Arbeitnehmer in den
Leitungsgremien privatisierter
Unternehmen und in anderen
gesetzlichen Organen ausgewirkt.
Dies hängt anscheinend von der
Existenz bestimmter
Rechtsvorschriften über
Mitarbeiterbeteiligungspläne (MBP
(ESOPs)) und vom Ausmaß der
Mitarbeiterbeteiligung ab. Ein
interessantes Beispiel ist der
Mitarbeiterbeteiligungsplan, der
von den Gewerkschaften bei
Telecom Eireann ausverhandelt
wurde, wonach die Mitarbeiter
14,9 % des privatisierten
Unternehmens besitzen und im
Vorstand durch eine Person
vertreten sind. Dieser
Beteiligungsplan gilt für die
Gewerkschaft und die
Betriebsführung anderer irischer
halbstaatlicher Unternehmen, die
in Zukunft privatisiert werden
könnten, als eine Art
"Modell". Im Gegensatz
dazu sind die Vereinigungen, die
die beteiligten Mitarbeiter
vertreten, in Italien - wo es
keine Rechtsvorschriften über
Mitarbeiterbeteiligungspläne
gibt - trotz der Tatsache, daß
eine große Mehrheit der
Mitarbeiter privatisierter
Unternehmen zum Zeitpunkt der
Privatisierung Aktionäre wurden,
nicht in der Lage gewesen, in
gesetzlichen Gremien eine
nennenswerte Vertretung zu
erreichen. Die
Mitarbeiterbeteiligungen sind
daher seit der Privatisierung
ständig zurückgegangen, da die
Arbeitnehmer ihre Anteile
verkauft haben.
Obwohl die genannten allgemeinen
Trends eindeutig zu erkennen sind, läßt
sich nicht sagen, daß sich die
Arbeitsbeziehungen in bestimmten
Unternehmen wesentlich geändert haben.
In einzelnen Unternehmen bietet sich ein
sehr komplexes Gesamtbild, da sowohl
Elemente des Wandels als auch der
Kontinuität vorhanden sind, wobei in den
Berichten der Einzelstaaten oft
festgehalten wird, daß die betrieblichen
Arbeitsbeziehungen durch die
Privatisierung nicht wesentlich
beeinflußt oder geändert worden sind.
Dies gilt jedoch nicht in allen Fällen.
Aus Griechenland wird z. B. berichtet,
daß sich in der
Telekommunikationsgesellschaft OTE sowohl
hinsichtlich des Verlaufs als auch des
Inhalts der Tarifverhandlungen wie auch
der Arbeitnehmervertretung Wesentliches
verändert habe: die Anzahl der
gewählten Arbeitnehmervertreter im
Vorstand ist von drei auf zwei gesunken;
die Kompetenzen des Betriebsrates wurden
beschnitten; die Vertretung für soziale
Kontrolle (VSK (ASKE)), ein
Dreiparteienausschuß, der vor allem die
Investitionstätigkeit kontrollierte,
wurde abgeschafft; und neue
Personalregelungen stellen sicher, daß
die Vorrechte und Flexibilität auf
Managementebene in erhöhtem Ausmaß
gegeben sind.
Arbeitskonflikte
Das Gesamtausmaß der Arbeitskonflikte
hat sich in den betroffenen
Organisationen als Folge der
Privatisierung im allgemeinen nicht
geändert. Intensive Konfrontationen im
Zusammenhang mit spezifischen
Einzelheiten der normalerweise mit der
Privatisierung und Liberalisierung
einhergehenden Vorgänge waren jedoch an
der Tagesordnung. Dies war z. B. in
Finnland, Frankreich, den Niederlanden,
Norwegen und Portugal der Fall. In
einigen Fällen war die Privatisierung
als solche der Zankapfel: die
bekanntesten Beispiele sind Griechenland
und das Vereinigte Königreich, wo die
Gewerkschaftskampagnen und die Maßnahmen
gegen die Entstaatlichung besonders
ausgeprägt waren. In Griechenland wird
zur Zeit über die Privatisierung
gestritten, im Vereinigten Königreich
konnte der Widerstand der Gewerkschaften
den Privatisierungsentscheidungen jedoch
kaum etwas anhaben. Lobbying hat sich im
Kampf gegen die Privatisierung als
nützlicheres Instrument erwiesen - aus
dem Vereinigten Königreich, Dänemark,
den Niederlanden und Norwegen werden
erfolgreiche Bemühungen gemeldet, die
darauf ausgerichtet waren, die
Privatisierungsentscheidungen durch
Lobbying hinauszuschieben oder
rückgängig zu machen.
Die Haltung der Sozialpartner
Im allgemeinen läßt sich
feststellen, daß die
Arbeitgebervereinigungen in den von der
vorliegenden Studie erfaßten Ländern
für die Privatisierung eingetreten sind.
Sie argumentieren, daß die
Privatisierung dazu beiträgt, den
"unfairen" Wettbewerb durch die
staatlichen Betriebe zu beseitigen, die
staatlichen Budgetdefizite zu verringern,
die Gebühren und Preise zu senken und
die allgemeine Konkurrenzfähigkeit des
inländischen Wirtschaftssystems durch
höhere Effizienz zu steigern. Ihrer
Ansicht nach sollte den
Regelungsmechanismen des Marktes mehr
Raum gegeben werden, damit das
wirtschaftliche Wachstum erhalten werden
kann.
Die Gewerkschaften sind im allgemeinen
nicht grundsätzlich gegen
Privatisierung. Bestimmte Gewerkschaften
sind natürlich in jedem Land dagegen;
wie bereits erwähnt, ist diese negative
Haltung vor allem in Griechenland und dem
Vereinigten Königreich sehr ausgeprägt.
Die häufigste Haltung scheint jedoch ein
"kritischer Pragmatismus" zu
sein. Die Gewerkschaften sind sich des
Trends zu weniger Staatsinterventionismus
in der Wirtschaft oft bewußt und
verstehen die Gründe für diese
Entwicklung. Sie nehmen daher eine
"pragmatische Haltung" ein und
sind eher daran interessiert, mit den
Veränderungen fertig zu werden und die
Arbeitnehmer zu schützen als die
Privatisierung als solche zu bekämpfen.
Die Gewerkschaften sind vor allem wegen
der Auswirkungen auf die Beschäftigung,
die Arbeitnehmerrechte, die Vertretung
und die Tarifverhandlungen besorgt und
konzentrieren ihre Aufmerksamkeit mit
Nachdruck darauf, negative Auswirkungen
in diesen Bereichen zu verhindern.
Die Gewerkschaften stehen der
Privatisierung jedoch auch
"kritisch" gegenüber; sie
unterscheiden zwischen der Privatisierung
in wettbewerbsorientierten Sektoren, die
weniger umstritten ist, und der
Privatisierung von Versorgungsunternehmen
und Wohlfahrtseinrichtungen. Was die
Versorgungsunternehmen betrifft, wird
gewöhnlich angeführt, daß ein
bestimmtes Ausmaß an öffentlicher
Kontrolle (und öffentlichem Eigentum)
aufrecht erhalten werden muß, damit
öffentliche Interessen und die
Interessen derjenigen, die diese
Leistungen in Anspruch nehmen, gewahrt
bleiben. Der Widerstand der
Gewerkschaften ist im Bereich der
Wohlfahrtseinrichtungen am stärksten;
hier wird gefordert, daß der Qualität
und allgemeinen Verfügbarkeit dieser
Leistungen Priorität eingeräumt werden
sollte, da die Ansicht vertreten wird,
daß diese Leistungen durch das direkte
Engagement der öffentlichen Hand besser
gewährleistet sind.
Kommentar
Im letzten Jahrzehnt hat die
Privatisierung in Europa an Bedeutung
gewonnen; sie ist schon lange kein Thema
mehr, das nur wenige Staaten betrifft.
Privatisierung und Liberalisierung
stellen heute, wahrscheinlich aufgrund
der EU-Richtlinien, Möglichkeiten dar,
mit denen sich alle europäischen
Regierungen und Sozialpartner
auseinandersetzen müssen.
Die Privatisierung stellt Analysten
vor eine schwierige Aufgabe, da sie
äußerst unterschiedliche Situationen
mit sich bringt und unter dem gleichen
Titel Inhalte betroffen sind, die sehr
heterogen sind. Was die Auswirkungen
solcher Maßnahmen auf die
Arbeitsbeziehungen betrifft, ist es
jedoch möglich, vorläufige
Schlußfolgerungen zu ziehen.
Zunächst besteht ein Trend zum
schrittweisen Abbau der Unterschiede in
den Arbeitsbeziehungen des öffentlichen
und des privaten Sektors, eine
Entwicklung, die durch die Änderung des
Status der Arbeitnehmer und die
Neuausrichtung der Vertretung von
Arbeitgebern und Arbeitnehmern
veranschaulicht wird. Dieser Wandel geht
zur Zeit vor sich; bis zu einem gewissen
Grad ist er von den
Privatisierungsvorgängen unabhängig.
Überhaupt ist die Privatisierung weniger
ein Ziel an sich, als vielmehr ein Aspekt
einer allgemeineren Entwicklung, in der
mehr Vertrauen in die Marktmechanismen
zur wirksamen Regulierung der Wirtschaft
gesetzt wird. Die Privatisierung ist
jedenfalls ein wichtiger Schritt, der zur
Beschleunigung dieses Wandels beiträgt.
Ein weiteres wichtiges Element der
Veränderungen, die durch die
Privatisierungs- und
Liberalisierungsmaßnahmen ausgelöst
wurden, ist die Verbreitung der
Managementstile des Privatsektors in
Bereichen wie Versorgungswirtschaft und
Wohlfahrtseinrichtungen, wo sie vorher
völlig unüblich waren. Der Druck durch
die Konkurrenz und die Bedeutung der
wirtschaftlichen Leistung,
Kostenrentabilität und Ertragskraft sind
Bestandteil des neuen Kontextes, mit dem
sich sowohl Betriebsführungen als auch
Gewerkschaften befassen müssen. Darüber
hinaus kann dieser Zustand Forderungen
der Betriebsführung nach mehr
Bewegungsspielraum und einseitigen
Maßnahmen unterstützen.
Die Kombination dieser zwei Trends
stellt die bestehenden Beziehungen
zwischen Betriebsführung und
Gewerkschaft in der Versorgungswirtschaft
(und teilweise bei den
Wohlfahrtseinrichtungen) in Frage, die in
einen völlig anderen Rahmen mit hoher
externer Beschäftigungsregelung (kraft
Gesetz), weniger strengen
Budgeteinschränkungen und nicht
vorhandener Konkurrenz eingebettet waren.
Gleichzeitig scheint der vorherrschende
"pragmatische Ansatz" der
Gewerkschaften diesen Veränderungen
"entgegenzukommen", indem sie
sie langsam als Voraussetzung für ihre
Maßnahmen wahrnehmen.
Das ist wahrscheinlich der Grund,
warum in vielen Berichten über die
Entwicklung in den Unternehmen nicht die
Veränderung, sondern die Kontinuität im
Vordergrund steht. Was die Vorgänge und
Ergebnisse rund um die Arbeitsbeziehungen
betrifft, ist jedoch sehr viel im Fluß:
es gibt Anzeichen für eine steigende
Dezentralisierung (und manchmal
Zersplitterung) der Arbeitsbeziehungen;
die Beschäftigungsregelungen werden
immer flexibler; die leistungsbezogene
Entlohnung gewinnt an Bedeutung; und die
Arbeitsbedingungen verändern sich unter
Berücksichtigung der neuen Schwerpunkte
Kostenrentabilität und Produktivität.
In dieser Situation kann der Pragmatismus
der Gewerkschaften bei der
Aufrechterhaltung eines Klimas der
Zusammenarbeit zwischen Betriebsführung
und Gewerkschaft, das viele Unternehmen
des öffentlichen Sektors und der
Versorgungswirtschaft kennzeichnete, eine
wichtige Rolle spielen. Wenn dies
beibehalten werden kann, können
partizipatorische Systeme der
Arbeitsbeziehungen ein brauchbares
Ergebnis sein. Versorgungsunternehmen
sind von einer solchen Entwicklung
wahrscheinlich besonders betroffen, da
bei solchen Organisationen gewöhnlich
zwei andere Elemente vorhanden sind: ein
Restinterventionismus der öffentlichen
Hand, auch wenn diese Maßnahmen nur
durch unabhängige regelsetzende
Behörden erfolgen, welche die Bedeutung
eines hohen Standards der Leistungen
hervorheben und den Druck der Konkurrenz
über die Kosten mildern können; sowie
eine weiterhin hohe Gewerkschaftsdichte,
die den Maßnahmen und Forderungen der
Gewerkschaften entsprechenden Nachdruck
verleihen kann. Da sich die Unterschiede
der Arbeitsbeziehungen im öffentlichen
und privaten Sektor verringern, kann die
Relevanz solcher Entwicklungen über die
Grenzen privatisierter
Versorgungsunternehmen hinausgehen.
Natürlich finden die Geschehnisse
außerhalb der privatisierten Unternehmen
in diesen Feststellungen keine
Berücksichtigung: Dazu zählen vor allem
die neuen Marktteilnehmer in den
liberalisierten Märkten und jene
Unternehmen, denen die Ausgliederungen
und die Konzentration privatisierter
Organisationen auf ihr Kerngeschäft
zugute kommt. In diesen Fällen verfügen
die Gewerkschaften häufig über keine
"Mittel", auf die sie aufbauen
könnten, um überhaupt eine Struktur der
Arbeitsbeziehungen zu schaffen, von einer
partizipatorischen Struktur ganz zu
schweigen. Sie müssen vielleicht wieder
von vorne beginnen und haben dabei mit
zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Es kann daher nicht ausgeschlossen
werden, daß eine Situation entsteht, in
der es überwiegend zu einseitigen
Regelungen durch das Management kommt;
auch ist eine zunehmende
"Zersplitterung" der
Arbeitsbeziehungen, bei der die
Unterschiede zwischen den Unternehmen
zunehmen, nicht unmöglich. Die
Anstrengungen, die zur Schaffung neuer,
branchen- umfassender Vereinbarungen in
den liberalisierten Sektoren bestimmter
Länder unternommen werden, scheinen
jedoch den Standpunkt zu stärken, daß
Tarifvereinbarungen und kollektive
Arbeitsbeziehungen für die zukünftigen
Entwicklungen eine wichtige Rolle spielen
werden. Die vorliegende Vergleichsstudie
läßt darauf schließen, daß der
europaweite Trend in Richtung
Privatisierung und Liberalisierung
vielleicht von einem gemeinsamen
"Modell" begleitet wird, daß
sich auf "vereinbarte"
Anpassungen verläßt, um die neue
Situation zu bewältigen (Roberto
Pedersini, Fondazione Regionale Pietro
Seveso).
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